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Stellungnahme des Arbeitskreises HuK (Homosexuelle und Kirche)

Am 7. Oktober 2006 fand im evangelischen Gemeindehaus Wäschenbeuren bei Göppingen ein Gespräch zwischen der Arbeitsgruppe „Evangelikale und Wir“ (anwesend waren Walter Conzelmann, Franz Kaern, Helmut Mayer, Gerhard Mundt und Andreas Schneidewind) und dem Mitbegründer und Leiter des Vereins „wuestenstrom e.V.“, Markus Hoffmann, statt. Mit Markus Hoffmann war Stefan Schmidt angereist, ein weiterer Mitarbeiter von „wuestenstrom“.

Der Verein „wuestenstrom e.V.“ sieht seinen Auftrag in der „Entwicklung von Hilfskonzepten und dem Angebot von Hilfe für Menschen mit Fragen und Problemen im Bereich Identität und Sexualität“. Schon in der Vorbereitung des Treffens (mit Hilfe der Webseite www.wuestenstrom.de sowie anderen Veröffentlichungen des Vereins) war uns aufgefallen, dass der noch vor einigen Jahren auch von Seiten der HuK scharf kritisierte Verein offensichtlich deutliche Veränderungen in seiner Zielsetzung vorgenommen hat und v.a. das Thema Homosexualität keine so bedeutende Rolle mehr zu spielen scheint.

Diese Vermutung wurde im Verlauf des Gespräches auf äußerst positive Weise bestätigt. Markus Hoffmann beschrieb uns zunächst, dass „wuestenstrom“ in der Anfangszeit nicht nur auf der Beratungsebene, sondern auch politisch aktiv war, wobei gerade die Äußerungen über Homosexualität den Verein in eine schwierige Situation gebracht hatten: für die Schwulen- und Lesbenverbände waren die Äußerungen inakzeptabel, für evangelikale Gruppen gingen sie z. T. wohl nicht weit genug.  Da es auch aus den eigenen Reihen und von Klienten Proteste gegen solche Äußerungen gab, haben sich Markus Hoffmann und der Verein in den vergangenen Jahren daher hauptsächlich auf die Beratungsarbeit zurückgezogen. Auch die anfängliche Nähe zur amerikanischen „Living Waters“-Bewegung wird von „wuestenstrom“ gerade in der letzten Zeit immer kritischer gesehen, vieles scheint sogar auf eine baldige Trennung hinzudeuten.

In der Folge beschrieb uns Markus Hoffmann einige wichtige Grundsätze des Beratungsansatzes von „wuestenstrom“. Diese lassen sich auch in der Ethik und der Selbstverpflichtung des Vereins nachlesen (beides auf der o.g. Homepage):

  • Ziel des Vereins ist es, Menschen ergebnisoffen zu beraten und zu begleiten.

  • Der Klient bestimmt den Beratungsauftrag.

  • „wuestenstrom“ macht keine Umpolung.

  • Der Verein sieht sich als offenes System, er ist hinterfragbar, diskutierbar, veränderbar. Dies unterscheidet ihn von den „Living Waters“-Gruppen.

Ein sehr wichtiger Punkt des Gespräches war die Klärung des in den Programmen von „wuestenstrom“ immer wieder auftauchenden Begriffes „Veränderung“. Markus Hoffmann stellte klar, dass mit diesem Begriff keineswegs die Umpolung homosexueller Menschen gemeint ist (so hatte u.a. auch ich dies zunächst vermutet). Veränderung kann seiner Meinung nach sehr vieles bedeuten, immer handelt es sich aber um einen Prozess, der auf der Gefühlsebene stattfindet. Veränderung kann sich daher nur ergeben (z.B. durch Enttraumatisierung), dies muss aber nicht passieren. Somit schließt sich auch eine „Veränderung“ der sexuellen Veranlagung von vorneherein aus. Markus Hoffmann rechnet in Beratungsgesprächen zwar mit der Möglichkeit von Veränderung, das Ergebnis ist aber, wie oben bereits erwähnt, offen. Besonders beeindruckt haben uns in diesem Zusammenhang Beispiele, in denen Markus Hoffmann offensichtlich homosexuell empfindenden Menschen ausdrücklich riet, diese Homosexualität anzunehmen und verantwortungsvoll zu leben. Vielleicht wäre „wuestenstrom“ besser beraten, den leicht missverständlichen Begriff „Veränderung“ z.B. durch „Auseinandersetzung mit…“ zu ersetzen.*

Im Nachklang des Gespräches haben wir uns innerhalb der Gruppe noch darüber unterhalten, inwieweit die Aussagen von Markus eventuell beschönigend sein könnten, v.a. auf dem Hintergrund seiner früheren Äußerungen. Einige Gründe sprechen aber aus unserer Sicht gegen diese Annahme:

  • Ein Mitglied der Gruppe erzählte von mehreren Bekannten, die sich von „wuestenstrom“ beraten ließen, einem Homosexuellen, der dies auch blieb, und einem Heterosexuellen mit anonymen homosexuellen Kontakten. Beiden ging es nach der Beratung auch langfristig besser, ein Veränderungsdruck scheint also nicht ausgeübt worden zu sein.

  • Markus Hoffmann scheint, wie bereits erwähnt, in der letzten Zeit auf Konfrontationskurs zu den amerikanischen „Living Waters“-Gruppen zu gehen. Dies setzt einigen Mut voraus.

  • Markus Hoffmann bittet uns ausdrücklich darum, ihn darüber zu informieren, falls Menschen durch Mitarbeiter von „wuestenstrom“ oder durch andere Gruppen, die sich fälschlicherweise auf Wüstenstrom beziehen, unter Druck gesetzt werden oder wurden. Dies würde der Selbstverpflichtung des Vereins widersprechen und hätte entsprechende Folgen.

  • Zuletzt berichtete uns Markus Hoffmann darüber, dass sich er und die anderen Berater einer regelmäßigen Supervision unterziehen.

Der positive Eindruck des Gespräches wurde durch eine für unsere Gruppe ganz entscheidende Kernaussage von Markus Hoffmann bestärkt: er betonte in aller Deutlichkeit, dass weder er noch sonst jemand von „wuestenstrom“ das Recht habe, einem anderen Menschen seinen Glauben abzusprechen. Dies schließt sich für ihn völlig aus. Auf der Homepage des Vereins ist in der Ethik unter „Gestaltung des Glaubens“ folgendes zu lesen: „In die Angebote kann der persönliche Glaube an Jesus Christus mit einbezogen werden. Dabei ist uns wichtig, dass jeder Teilnehmer seine Art findet, seine persönliche Gottesbeziehung zu gestalten. Wir begleiten diesen Prozess gern, tun dies aber immer auf der Grundlage einer dialogischen Glaubenspraxis. Diese folgt für uns aus dem von allen christlichen Kirchen gesprochenen Bekenntnis zu Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist.“

Auf der Basis der von uns bei „wuestenstrom“ wahrgenommenen Veränderungen der letzten Jahre kam am Ende des Gesprächs von unserer Seite noch der Vorschlag, ein gemeinsames Gespräch zwischen HuK, Markus Hoffmann sowie Vertretern aus dem evangelikalen Bereich anzustreben. Markus Hoffmann stimmte diesem Vorschlag grundsätzlich zu.

So bleibt bei allen Mitgliedern der Gruppe eine sehr gute Erinnerung an diesen Nachmittag, da er einem dem Hauptziel der Arbeitsgruppe „Evangelikale und Wir“ voll entsprach: miteinander statt übereinander zu reden und zu helfen, Vorurteile und Missverständnisse abzubauen.

Andreas Schneidewind

 
* Im kursiv gedruckten Teil des Berichtes fühlen wir uns nicht korrekt verstanden oder wiedergegeben. Wir haben der HuK daher folgenden    Alternativtext geschickt, der unsere Ansicht korrekt und deutlicher zum Ausdruck bringt:

Veränderung kann seiner Meinung nach sehr vieles bedeuten, immer handelt es sich aber um einen Prozess, der auf der Gefühlsebene stattfindet. Ein Veränderung im Bereich der Sexualität, wie auch sexuellen Orientierung, kann sich allerdings nur ergeben, wenn durch die Sexualität ein innerer, gefühlsmäßiger, Konflikt kompensiert wird. Allerdings ist bei einer offen gestalteten Behandlung solcher gefühlsmäßiger Konflikte nicht von vornherein klar, dass sich dann am Ende auch das Erleben im Bereich sexuellen Empfindens verändert. Das Ergebnis ist, wie bereits erwähnt, immer offen.

Besonders beeindruckt haben uns in diesem Zusammenhang Beispiele, in denen Markus Hoffmann offensichtlich homosexuell empfindende Menschen riet, ihre Homosexualität anzunehmen. Denn nur wer die Empfindungen in sich annimmt, kann auch prüfen, ob sich darin eine Frage verbirgt, die er in einen Beratungsprozess einbringen kann.

Daneben sprach Markus Hoffmann auch davon, dass wuestenstrom Menschen begleitet, die ihre Homosexualität als Lebensstil leben, die Beratung von wuestenstrom aber wegen anderer Konflikte aufsuchen. Markus Hoffmann machte deutlich, dass wuestenstrom den Lebensentwurf von Menschen respektiert.

Verweise