Der Artikel von Frau Karin Kontny „Heilung in Gottes Namen“ entstand nach zwei ausführlichen Interviews mit uns, beinhaltet aber leider keine tatsächlich von uns gemachten Aussagen. Stattdessen sehen wir uns als Organisation verleumdet und hintergangen. Wie im böswilligsten Boulevard-Journalismus setzt Frau Kontny auf herabwürdigende Beschreibungen, auf Verdrehungen und Falschdarstellungen. Darüber hinaus fotografierte sie gegen die Vereinbarung und ohne unser Wissen die Geschäftsstelle, die zugleich auch Wohnort der Familie Hoffmann ist, und veröffentlichte nun dieses Bild. Merkwürdig erscheint uns, dass ein fast identischer Artikel über uns vor einigen Jahren von einem Oliver Fischer in der Zeitschrift MAX veröffentlicht war. Damals, wie wir Frau Kontny im Gespräch erzählten, wurde von "meterweise Freud" in unseren Regalen geschrieben, Frau Kontny schreibt nun heute - genauso frei erfunden - von der Werkausgabe von C.G. Jung.
Dazu unsere Darstellung der Interviews und die ausdrückliche Wiederholung dessen, was wir Frau Kontny tatsächlich erklärt haben.
Als Frau Kontny am 17. November 2006 nach einem fast zweistündigen Gespräch unser Büro verließ, habe ich versucht, mich in ihre Lage zu versetzen. Ich sagte ihr, dass es nach dem Gespräch nun sicherlich nicht leicht und sehr viel Arbeit sei, unsere Darstellung und unsere Antworten zu verarbeiten, gleichzeitig aber natürlich auch nicht einfach in unserem Sinne zu schreiben und Werbung für uns zu machen, sondern die kritischen Anfragen, die sie aus anderen Kontakten mitgebracht hatte, ebenso zu berücksichtigen.
Heute weiß ich, dass dieses Verstehen sehr naiv war. Frau Kontny wollte offenbar zu keinem Zeitpunkt unsere Darstellung mit in Ihre Recherchen aufnehmen.
Frau Kontny bat um ein Interview, da sie als theologisch interessierte Journalistin für die ZEIT einen Artikel verfassen wollte über verschiedene Ansätze zum Thema Homosexualität in Deutschland. Auch Kurse in Gestalttherapie habe sie besucht und könne somit auch unser beratendes Arbeiten nachvollziehen. Sie versicherte, zwar schon ein paar Informationen über uns gehört zu haben, aber unvoreingenommen über uns berichten zu wollen. Daher führte ich mit ihr ein etwa eineinhalbstündiges Telefoninterview. Darin versuchte sie, unseren Ansatz zu verstehen und ich erklärte ihr detailliert unsere Arbeitsweise, unsere Ethik, unsere Zielgruppe, unsere Kritiker usw. Trotzdem sah sie es nach dem Gespräch als sinnvoll an, das Thema noch weiter zu vertiefen und bot an, uns zu einem Interview in unserer Geschäftsstelle zu besuchen. Obwohl ich bereits alle Informationen gegeben hatte, die ich als hinreichende Antworten auf Frau Kontnys Fragen verstand, stimmte ich gutgläubig in ein Interview ein.
Frau Kontny bat dann kurzfristig darum, dass auch ein Fotograf mit dazu kommen könne. Dieses verweigerten wir und Frau Kontny versicherte, dass dies kein Problem sei. Im Gespräch, bei dem dann auch Markus Hoffmann teilweise dabei sein konnte, ging es um nahezu dieselben Themen, die bereits im Telefonat besprochen waren.
Wir versicherten Frau Kontny dass wir uns als Organisation, die auch auf dem Gebiet der Lebensberatung arbeitet, eine umfangreiche Selbstverpflichtung gegeben haben, nach der wir selbstverständlich ergebnisoffen beraten, und die auch auf unserer Webseite veröffentlicht ist. Wir erklärten ihr unser Verständnis von Veränderung im Bereich unterschiedlicher Lebensbereiche, auch der sexuellen Orientierung. Dazu zitierten wir unterschiedliche Sexualwissenschaftler und Standardwerke der Psychiatrie. Moralische Fragen bezüglich Homosexualität haben wir als nicht hinreichende Therapiemotivation dargestellt. Wir haben Frau Kontny dargelegt, dass wir als Beratungsorganisation nicht allein auf dem Gebiet der Homosexualität Menschen begleiten und dass wir es nicht als politische oder missionarische Aufgabe sehen, gegen Menschen, die homosexuell leben, zu argumentieren. Wenngleich wir unsere Erfahrungen und unser Wissen über die Möglichkeiten der Veränderung von Homosexualität selbstverständlich in den politischen Diskurs einbringen.
Unsere Beratung beschrieben wir als Arbeit an der Selbstwahrnehmung und Beziehungsgestaltung. Wenn einzelne Ratsuchende dann erkennen, dass die Struktur ihrer Lebensgestaltung, ihres Beziehungsverhaltens, ihres Selbstempfindens (und auch ihrer Homosexualität) von nicht ausgedrückten Gefühlen und unterschiedlichen Beziehungsverletzungen in der Vergangenheit geprägt ist, arbeiten wir mit diesen Ratsuchenden an Gefühlen und an diesen „traumatischen“ Beziehungserfahrungen. Ziel ist ein neuer Umgang mit Gefühlen und die Möglichkeit neuer, heilsamer Beziehungserfahrungen. Wenn es im Rahmen dieser Durcharbeit zu Gefühlsäußerungen von Seiten des Ratsuchenden kommt, dann ist dies auch in anderen gängigen Therapieverfahren im Bereich der Psychoanalyse, Gestalttherapie, Bonding-Therapie oder Traumatherapie die Praxis. Der Unterschied unseres Ansatzes nun besteht darin, dass wir beobachten, dass eine solche Durcharbeit die Veränderung der sexuellen Orientierung zur Folge haben kann, wobei solche Veränderungen, nach ähnlicher Durcharbeit, auch von Seiten anderer Therapieverfahren dokumentiert werden. Im Gespräch mit Frau Kontny zitierten wir für diese Beobachtung unterschiedliche Untersuchungen und Sexualwissenschaftler. Zu keinem Zeitpunkt aber zwingen wir Menschen dazu, die Veränderung ihrer Orientierung anzustreben.
Dies sind Erklärungen, die Frau Kontny von uns erhalten hat. Der Artikel, den sie daraus gemacht hat, enthält nun nichts von alledem. Sie beschreibt nun stattdessen die Atmosphäre in unserem Dorf, die Kleidung von Markus Hoffmann, seine Stimmlage, und dass, als sei schon allein das bemerkenswert, Papiertaschentücher im Beratungsraum lagen.
Doch Frau Kontny schreibt auch Unwahrheiten. Tatsächlich wurde sie nicht durch die Büroräume geführt, tatsächlich war die Telefonseelsorge zum Zeitpunkt unseres Gesprächs nicht besetzt. Auch besitzen wir keine Werkausgabe von C.G. Jung (wir betreiben keine Psychoanalyse), stattdessen aber viele Standardwerke der Sexualwissenschaft, der Psychiatrie und Psychotherapie, der Theologie usw. Ebenso besitzen wir keine roten Matten zum „austoben“. Die Hanteln im Beratungsraum sind keine Therapieinstrumente. Auch bieten wir kein Wanderwochenende als Therapieangebot an. Frau Kontny entdeckte das Wanderwochenende in unserem Prospekt als eines der möglichen Freizeitaktivitäten unserer Selbsthilfegruppen.
Der einzige offene Vorwurf, über den wir mit Frau Kontny gesprochen haben, betraf den Vergleich von Homosexualität mit Sucht, den eine ehrenamtliche Mitarbeiterin in unserer Telefonseelsorge ihr gegenüber geäußert habe. Wir versicherten Frau Kontny, dass es überhaupt nicht unsere Ansicht sei, dass Homosexualität eine Form der Sucht darstelle. Wenn unsere Mitarbeiterin hier diesen unglücklichen – weil missverständlichen – Vergleich angestellt habe, so würden wir dies natürlich schnell intern klären, damit hier nicht Ratsuchende verwirrt würden. Frau Kontny bat uns, nun nicht zu streng mit unserer Mitarbeiterin zu verfahren (wie sie es nun aber in ihrem Artikel verwirklicht).
Die Schwulen – Beratungsstelle in Berlin und den zitierten Arnd Bächler kennen wir nicht. In diesem Zusammenhang klingt es schlicht merkwürdig, dass Menschen, die eine in Süddeutschland ansässige Beratungsarbeit aufsuchen, bei einer Beratungsstelle in Berlin massenhaft Zuflucht suchen. So wird konsequenterweise auch kein eindeutiger Zusammenhang zwischen unserem Beratungsansatz und dem beschriebenen Fall von "Selbstekel" hergestellt. Wie an vielen anderen Stellen im Artikel wird auch hier suggestiv der Eindruck erweckt, unser Ansatz sei naiv, menschenverachtend und habe (vielleicht durch Hanteln oder Wanderwochenenden?) Selbstekel zur Konsequenz.
Vergleichbar suggestiv sind die Anmerkungen zum Verein Homosexuelle und Kirche. Ein offizielles Dokument dieser Gruppe, nach einem Gespräch mit uns erst vor zwei Monaten veröffentlicht, kommt nach genau demselben Gesprächsverlauf, zu einem Ergebnis, das dem von Frau Kontny völlig entgegengesetzt ist. In deren Stellungnahme (s. www.huk.org) wird unser offener Beratungsansatz sehr gewürdigt, und es werden unterschiedliche Menschen zitiert, die sich in ihrer Homosexualität zu keiner Zeit ihres Kontaktes mit wuestenstrom von uns diskriminiert gefühlt hatten. Diese Stellungnahme kennt Frau Kontny und es entsteht die Frage, welche Verunsicherung sie zum Ziel hat, wenn sie mit Wahrheiten in dieser Weise umgeht.
Als Organisation, die beratend unter anderem auch auf einem Gebiet tätig ist, das politisch und gesellschaftlich hoch emotional diskutiert wird, müssen wir uns selbstverständlich kritische Rückfragen gefallen lassen und uns auch Gegenpositionen stellen. Dieser Artikel von Frau Kontny nun, hat aber offenbar nichts Weiteres zum Ziel, als uns als Organisation zu schaden. Verstehen lassen sich der Artikel und das Vorgehen von Frau Kontny nur, wenn man vom Grundsatz ausgeht, dass die Arbeit an und das Sprechen über Veränderung einer homosexuellen Orientierung unstatthaft und menschenverachtend sind. Welche wissenschaftlichen Untersuchungen es aber tatsächlich bereits zu diesem Thema gibt, wird dabei natürlich außen vor gelassen. Wir unterstützen die Aussagen des Präsidenten der amerikanischen Psychologenverbandes (APA-American Psychological Association) Dr. Gerald Koocher vom vergangenen Jahr, dass ein Therapeut jede Pflicht hat, den Hilfesuchenden bei der Erreichung seiner Ziele (explizit auch der Veränderung der sexuellen Orientierung) zu unterstützen. Selbstverständlich unterstützen wir auch den von ihm gesteckten Rahmen: Klärung der Veränderungsmotivation, Information über den wissenschaftlichen Stand der Forschung zu dem Thema und darüber, dass Homosexualität offiziell nicht als Krankheit gilt.
Doch diese Inhalte interessieren die ZEIT und Frau Kontny offenbar genauso wenig, wie die Tatsache, dass mit diesem Artikel auch viele Ratsuchende, die mit uns in Kontakt stehen und standen, und die sich auf unterschiedliche tief greifende Prozesse der Begleitung eingelassen haben, mit in Misskredit geraten und verunsichert werden. Was ihre tatsächlichen Ziele sind, indem sie uns schaden, bleibt ungewiss.
wuestenstrom e.V.
Stefan Schmidt
Dipl. Sozialarbeiter (FH)
V.i.S.d.P.
Markus Hoffmann
Diakon und Sozialarbeiter