Sehr geehrte Damen und Herren,
wir legen hiermit Beschwerde gegen die Veröffentlichung des o.g. Zeitungsartikels ein. Wir beantragen, dem hierfür verantwortlichen Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co KG, Speersort 1, 20095 Hamburg gegenüber eine Rüge auszusprechen.
Der Artikel enthält mehrere unwahre Tatsachenbehauptungen und Unterstellungen, die geeignet sind, den Ruf des Vereins Wüstenstrom und dessen Vorsitzenden Markus Hoffmann herabzuwürdigen. Es liegt damit eine unwahre Wortberichterstattung vor, die das allgemeine Persönlichkeitsrecht sowohl des Vereins als auch von Herrn Hoffmann und damit auch die Berufsethik der Presse verletzt. Gerügt wird hiermit eine Verletzung folgender publizistischer Grundsätze:
1. Die Achtung vor der Wahrheit .......... und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.
2. Zur Veröffentlichung bestimmte Nachrichten und Informationen in Wort und Bild sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung ....... weder entstellt noch verfälscht werden....... .
3. Veröffentlichte Nachrichten oder Behauptungen, insbesondere personenbezogener Art, die sich nachträglich als falsch erweisen, hat das Publikationsorgan, das sie gebracht hat, unverzüglich von sich aus in angemessener Weise richtig zu stellen.
8. Die Presse achtet das Privatleben und Intimsphäre des Menschen .......... .
9. Es widerspricht journalistischem Anstand, unbegründete Behauptungen und Beschuldigungen, insbesondere ehrverletzender Natur, zu veröffentlichen.
Der Artikel stellt die Arbeit des Wuestenstrom e.V. verzerrt und abwertend dar. Schon die Behauptung, wir würden versuchen, Schwule von ihrer Homosexualität zu „befreien“, ist falsch. Unser Anliegen ist es, Ratsuchende beim Erreichen ihrer eigenen Ziele zu unterstützen, allerdings auch, wenn es um den Wunsch nach Veränderungen im Bereich der sexuellen Identität geht. Hierbei gehen wir jedoch sorgsam vor. Wir klären über den wissenschaftlichen Stand und die Chancen und Gefahren der gewünschten Veränderung auf. Keinesfalls versuchen wir, den Ratsuchenden etwas überzustülpen oder diese auf irgendwelche Ziele hin zu manipulieren. Ein solches Vorgehen ließe sich dann auch nicht mit dem Anspruch an eine professionelle Beratungsarbeit vereinbaren.
Wenn in dem betreffenden Artikel behauptet wird, der Leiter unserer Einrichtung sei ein 44-jähriger Theologe, wird damit dessen Kompetenz für die oben angesprochene Beratungs- und Therapiearbeit in Frage gestellt. Neben dem Beruf des Sozialarbeiters übt Herr Hoffmann die Tätigkeit als Traumaberater/Traumatherapeut ROMPC® aus. Er hat sich zudem in verschiedenen Therapierichtungen, wie zum Beispiel der Transaktionsanalyse und der Gestalttherapie, fortgebildet. Psychoanalytische Therapieansätze verfolgt Herr Hoffmann allerdings nicht.
In dem Artikel wird erwähnt, dass laut Herrn Hoffmanns Überzeugung, die Homosexualität Ausdruck eines Traumas sei und suchtartige Züge annehme. Es bleibt hierzu jedoch unklar, wie die Autorin zu dieser Behauptung überhaupt gekommen ist. Wir sind der Überzeugung, dass Probleme im Bereich von Beziehungen und Identität mit früheren Verletzungen (Traumata) in Beziehungen zu tun haben können. Dies trifft aber unserer Meinung nach sowohl auf homosexuell als auch heterosexuell empfindende Menschen zu. Dies hat Herr Hoffmann der Autorin so auch mitgeteilt, nicht jedoch hat er behauptet, dass Homosexualität suchtartige Züge annehmen könne.
Auch wirkt die Behauptung „Zum Glück sei sie“ (gemeint ist die Homosexualität) „nicht genetisch bedingt und damit heilbar. Wer, wenn nicht er als ehemaliger Schwuler, könnte das besser beurteilen. Und behandeln! “ verzerrend. Infolge der indirekten Rede wird der Leser diese Aussage Herrn Hoffmann zuordnen. Es wird damit der Eindruck eines Zitats erweckt. Tatsächlich hat Herr Hoffmann diese Aussage aber zu keinem Zeitpunkt geäußert. Erst recht bezeichnet sich Markus Hoffmann nicht als Schwuler, den seine eigene Biographie per se befähigt, Heilbarkeiten zu beurteilen oder gar Homosexualität (als Krankheit) zu behandeln.
Die Autorin hat auch an dieser Stelle die geforderte Sorgfalt nicht beachtet und mit Unterstellungen gearbeitet.
Die Behauptung, Markus Hoffmann habe „durch sein Haus und durch seine Wandlung vom Homo zum Hetero“ geführt, wird der Leser so auffassen, dass Herr Hoffmann während einer Führung durch sein Haus über seine Biographie berichtet hat. Weder wurde eine Hausführung durchgeführt, noch berichtete Markus Hoffmann der Autorin hierbei über eine Änderung seiner sexuellen Orientierung. Herr Hoffmann war nur zeitweise beim Gespräch mit Frau
Kontny anwesend und begegnete dieser nur im Beratungsraum der Geschäftsstelle des Vereins. Er hat Frau Kontny auch zu keinem Zeitpunkt gezeigt, wo seine Frau und seine Kinder leben. Dies alles ist von der Autorin frei erfunden. Ihr Vorgehen ist auch aus diesem Grund mit einer seriösen Berichterstattung nicht zu vereinbaren.
Auch zitiert die Autorin Herrn Hoffmann an anderer Stelle mit der Aussage: „Als Hetero bin ich glücklicher“ und beschreibt Stimmen hinter Türen, die er mit dem Satz „Hier beraten unsere Ehrenamtlichen am Telefon“ kommentiert haben soll. Auch diese Sachverhaltsschilderung ist jedoch frei erfunden. Nachweislich waren die Arbeitsplätze der ehrenamtlichen Mitarbeiter zum Zeitpunkt des Gesprächs mit Frau Kontny überhaupt nicht besetzt. Unklar ist damit schon, welche Stimmen Frau Kontny überhaupt gehört haben will.
Eine weitere Unterstellung liegt darin begründet, dass ehrenamtliche Mitarbeiter den Ratsuchenden erklärt haben sollen, dass ein Schwuler lebenslang gegen seine Neigung ankämpfen müsse - ähnlich wie ein Alkoholiker. Durch eidesstattliche Versicherung kann ggf. glaubhaft gemacht werden, dass wir ein solches Bild von Homosexualität im Gespräch mit Frau Kontny ausdrücklich kritisiert und wir uns von dieser Beschreibung in Hinsicht auf unsere Arbeit deutlich distanziert haben. Warum unsere Stellungnahme zu diesem Punkt dann ins Gegenteil verkehrt worden ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Wir versicherten Frau Kontny -unter Zeugen- dann auch mehrmals, dass wir Homosexualität nicht als eine Art von Sucht ansehen und es nicht unsere Absicht sei, Homosexuelle in irgendeiner Weise zu diskriminieren.
Daß wir Hanteln nicht als Therapieinstrumente einsetzen, sollte sich von selbst verstehen. Auch an dieser Stelle arbeitet die Autorin mit versteckten Bildern, die Herrn Hoffmann und den Verein Wuestenstrom in einem falschen Licht erscheinen lassen. Der Leser bekommt den Eindruck, wir würden Menschen mit unseriösen Methoden behandeln. Gleiches gilt an anderen Stellen für das Austoben der Wut auf roten Matten sowie das Weinen über das Leiden, homosexuell zu sein. In diesem Zusammenhang bemüht die Autorin auch die von uns -unabhängig von der angesprochenen Thematik der Homosexualität- als bloße Freizeitaktivität angebotenen Wanderwochen. Hiermit soll dem Leser offensichtlich gleichsam suggestiv vermittelt werden, wir böten Wanderwochenenden als Therapiemethode an, was jedoch nicht der Wahrheit entspricht.
In dem Artikel wird zudem behauptet, dass Herr Hoffmann die Leitsätze für seine Arbeit aus der Bibel beziehe, was an sich richtig ist. Jedoch zitiert die Autorin hierbei zwei Stellen aus dem alten Testament, obwohl diese zu keinem Zeitpunkt Gegenstand des Interviews gewesen sind. Über biblische Inhalte wurde zu keinem Zeitpunkt mit Frau Kontny gesprochen. Auch dies kann übrigens jederzeit unter Beweis gestellt werden. In diesem Zusammenhang weist Frau Kontny auch darauf hin, dass Herr Hoffmann seine Argumente aus der Werkausgabe von C.G. Jung ziehe. Dies ist gänzlich falsch und entbehrt jeder Grundlage. Wir besitzen in unserer Geschäftsstelle keine solche Werkausgabe und überhaupt keine Werke von C.G. Jung. Wir betreiben auch keine Psychoanalyse und sind vom Wirken und Denken C.G. Jungs in keiner Weise beeinflusst. Die Behauptung, dass wir mit C.G. Jung Homosexuelle als verhaltensgestört einstufen, ist völlig aus der Luft gegriffen. Auch dieses Vorgehen der Autorin hat mit einer seriösen Berichterstattung, die sich auf abgesicherte Quellen zu beziehen hat, nichts mehr zu tun.
In dem Artikel ist dann noch die Rede davon, dass die Weltgesundheitsorganisation die Homosexualität nicht als Störung ansieht. Dies ist korrekt. Nirgendwo formuliert jedoch die WHO, dass ein Mensch, der sich wünscht, nicht homosexuell zu sein, verhaltensgestört ist. Auch an dieser Stelle ist unsauber gearbeitet worden.
Frau Kontny schreibt Markus Hoffmann dann unberechtigter Weise auch die Aussage zu, „Schwulsein sei nur Symptom für die Suche nach männlicher Bestätigung“. Richtig ist, dass die Ursachen für die Entwicklung homosexueller Gefühle mannigfaltig und individuell verschieden sind. Wir betonen daher ausdrücklich, dass sich im homosexuellen Empfinden des Einzelnen etwas je eigenes ausdrückt. Diese Ansicht wird dann auch von Herrn Hoffmann vertreten.
Auch die Aussage, dass Herr Hoffmann im internationalen Gremium von Living Waters sitzen soll, ist falsch. Der Wuestenstrom e.V. ist bereits seit Ende November 2006 nicht mehr Teil dieses Gremiums. Außerdem ist Living Waters ein Seelsorgeprogramm, das sich an Menschen mit unterschiedlichen Fragestellungen im Bereich ihrer Identität, Sexualität und ihrer Religion richtet. Eine Umpolung im Sinne einer Gehirnwäsche wird hier nicht betrieben. Für einen solchen Vorwurf wäre die Nennung konkreter Fakten erforderlich gewesen. Solche Fakten werden aber im besagten Artikel nicht erwähnt.
Auch sind die Ausführungen zum Arbeitsbuch „Aufbruch Leben“ entstellt wiedergegeben. So heißt es im Artikel „Aufbruch Leben“ sei ein Beratungsprogramm von Herrn Hoffmann, das nur hausintern ausgebildete Berater und Klienten in die Hand bekommen. Richtig ist, dass wir, neben den Bereichen der Beratung, auch Seelsorge-Konzepte für christliche Gemeinden entwickeln und bereitstellen. „Aufbruch Leben“ ist ein Arbeitsbuch, nach dem Seelsorger in Kirchengemeinden feste Kurse anbieten können. Inhaltlich geht es hierbei um Fragen der Gottesbeziehung und der Beziehungsgestaltung im zwischenmenschlichen Bereich. Da die Seelsorger in den Gemeinden für die Durchführung der Kurse speziell geschult und dann auch supervisorisch begleitet werden, ist das Arbeitsbuch im Markt nicht frei erhältlich. Wie unschwer zu erkennen ist, hat „Aufbruch Leben“ mit der im Artikel angesprochenen Problematik nichts zu tun. Warum die Autorin „Aufbruch Leben“ trotzdem in ihrem Artikel integriert hat, liegt aus unserer Sicht auf der Hand. Hiermit soll der Vorwurf unseriöser und im Geheimen stattfindender Therapiebehandlungen erhärtet und unsere Arbeit offensichtlich abgewertet werden. Dies ist berufethisch nicht vertretbar.
Auch ist der Passus zur Schwulenberatung in Berlin nicht nachvollziehbar. Die Autorin schreibt hierzu: „Die Schwulenberatung Berlin weiß um die Folgen solcher Methoden. Hier gingen Hilferufe von Schwulen ein, die in Tamm als psychosexuell gestört eingestuft wurden. Der Psychologe Arnd Bächler kennt viele Fälle, in denen die Betroffenen nach einer Beratung in Tamm Selbsthass oder gar Selbstmordgedanken hegen.“ Weder der Wuestenstrom e.V. noch dessen Mitarbeiter stufen Ratsuchende als „psychosexuell gestört“ ein. Dieser Begriff ist ein Kunstprodukt der Autorin und wird von uns nicht verwendet. Auch ist nicht zu verstehen, warum viele Betroffene zunächst eine Beratung in Tamm bei Stuttgart aufsuchen und sich danach bei einer Schwulen-Beratung in Berlin melden sollen. In diesem Zusammenhang wird der Fall des Herrn Rolf Höhr erwähnt, der vor einem Jahr sein Coming Out gehabt haben soll. Ein Pfarrer seiner Gemeinde soll ihm den Verein Wuestenstrom empfohlen haben. Seit
der Beratung in Tamm soll sich der 35-jährige vor sich selbst ekeln. Auf den Fall selbst wird nicht weiter eingegangen. Die konkreten Gründe des vermeintlichen Selbstekels bleiben offen. Durch die allgemein gehaltene Formulierung wird dem Leser suggeriert, dass die Beratung des Vereins Wuestenstrom Selbstekel zur Folge habe. Dies ist eine unsachliche Mutmaßung, die jeder Grundlage entbehrt. Unsere Beratung wird gelegentlich von Menschen aufgesucht, die sich selbst ablehnen. Hier sehen wir unsere Aufgabe darin, die Selbstannahme zu stärken. Ein Herr Höhr bzw. ein ähnlich gelagerter Fall ist uns bislang nicht bekannt geworden.
In dem Artikel wird darauf hingewiesen, dass „auch der Verband homosexueller Christen“ nun an Wuestenstrom zweifelt. Diese Aussage ist falsch. „Homosexuelle und Kirche“ (HuK) bezeichnet sich selbst als Arbeitsgruppe und ist ein freier Zusammenschluss von Frauen und Männern, die sich „kritisch und konstruktiv mit Homosexualität und Kirche auseinandersetzen“ (vgl. Selbstangaben unter www.huk.org). Wie unser Verein, ist auch der HuK ein unabhängiger eingetragener Verein und kein „ökumenischer Verband“. Woraus die Autorin den Schluss zieht, dass der HuK davon ausgeht, dass „in Tamm etwas faul“ sei, ist uns unverständlich. Unser Eindruck ist, dass sich derzeit die Mitglieder von HuK an Diskussionen bezüglich des Artikels beteiligen und den von der Autorin an dieser Stelle unterstellten Verdacht bestreiten. Wir können uns daher nicht des Eindrucks erwehrten, dass die Autorin den HuK für ihre Zwecke zu instrumentalisieren versucht.
Schließlich wird in dem besagten Artikel erwähnt: „Für Hoffmann sind solche Vorwürfe Teil der „Kampagne der Schwulenlobby“ gegen ihn. Im Gegenzug droht er mit Klagen wegen Rufschädigung.“ Auch diese Behauptung ist falsch. Mit Frau Kontny wurde nicht über Klagen und Rufschädigung seitens der „Schwulenlobby“ gesprochen. Allerdings hatten wir Frau Kontny aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen untersagt, die Geschäftsstelle des Vereins, die zugleich Wohnhaus der Familie Hoffmann ist, zu fotografieren. Auch hieran hat sie sich jedoch nicht gehalten. Die Familie Hoffmann hat nun aufgrund der falschen Berichterstattung, insbesondere über die vermeintlichen Ansichten des Herrn Hoffmann und der falsch dargestellten Vereinsarbeit, mit Angriffen aufgebrachter homosexueller Menschen zu rechnen. Die Situation wird durch die Bildunterschrift „Vom Homo zum Hetero: Bekehrungsversuche in der Idylle des Ortes Tamm“ und den Umstand, dass Sie den Artikel auf der Website unter der Rubrik „Sekten“ veröffentlicht haben, noch weiter angeheizt. Wie bereits erwähnt, führen wir eine Beratungsarbeit nach professionellen Maßstäben durch. Mit Bekehrungsversuchen hat dies nichts zutun. Unser Ziel ist es, Menschen in Notsituationen zu helfen, zu Entscheidungen zu finden, die für sie hilfreich sind und sowohl ihre Gefühle als auch ihre ethischen Vorstellungen berücksichtigen.
Nach alledem entspricht der Artikel in mehrfacher Hinsicht nicht den, an die pressemäßige Sorgfalt bzw. der Einhaltung der Berufsethik gestellten, Anforderungen. Der Aufforderung, die beanstandeten falschen Behauptungen richtig zu stellen, ist der Verlag nicht nachgekommen. Auch der Abdruck einer Gegendarstellung wurde verweigert. Weitere Vorschläge zur Wiedergutmachung (Abdruck eines Dementis in der Online-Ausgabe, Abdruck eines klarstellenden Leserbriefs) wurden vom Verlag ebenfalls -ohne nähere Begründung- zurückgewiesen, so dass die vorliegende Beschwerde erforderlich geworden ist.
Ein Gerichtsverfahren wurde bislang nicht eingeleitet. Es wird zunächst die Entscheidung des Presserates abgewartet. Der beanstandete Artikel liegt als ANLAGE der Beschwerde bei.
In der Hoffnung auf einen baldigen Bescheid verbleiben wir
mit freundlichen Grüßen,
Markus Hoffmann
Vorstandsvorsitzender wuestenstrom e.V.