Zwei Beobachtungen motivieren uns, in der Öffentlichkeit das Wort zum Themengebiet Identität und Sexualität zu ergreifen: Die erste Beobachtung ist, dass es kaum ein Themengebiet gibt, über das mehr gesprochen wird, als über Sexualität. Die zweite Beobachtung ist, dass Menschen von einer großen Ratlosigkeit befallen werden, wenn sie von Problemen im Bereich Sexualität betroffen sind. Dieser Ratlosigkeit zu begegnen und Menschen Mut zu machen, in Kirche, Gemeinde und Gesellschaft offen ihre Fragen zu stellen, ist das Ziel unserer Öffentlichkeitsarbeit.
In unserer Öffentlichkeitsarbeit geht es uns dabei nicht um moralische Belehrung. Vielmehr wollen wir unsere Beobachtungen, die wir durch die Begegnung und die Gespräche mit Menschen machen durften, die ihre Sexualität konflikthaft erleben, in die öffentliche Diskussion einbringen. Da wir als Mitarbeiter mit eigener Betroffenheit und als Begleiter mit professioneller Kenntnis, in unserer Arbeit immer wieder um einen Weg ringen, wie Sexualität und Beziehung nicht moralisch banalisiert werden, sondern ihr motivationaler, die ganze Person des Menschen meinender Kern gewürdigt wird, glauben wir, in die öffentliche Diskussion erfahrungsbasierte, neue und belebende Aspekte einbringen zu können.
Besonders am Herzen liegt uns das Eintreten für Menschen, die eine Veränderung im Bereich ihrer sexuellen Orientierung anstreben. Sie haben kaum eine Lobby. Sie sind oft Anfeindungen und Diskriminierungen ausgesetzt, nur weil sie entgegen der gesellschaftlich durchgesetzten Meinung leben wollen. Für diese Gruppe der Betroffenen setzen wir uns als selbst Betroffene ein und fordern das Recht, in unseren Kirchen und Gemeinden, aber auch in unserer Gesellschaft eine Veränderung im Bereich sexueller Orientierung anstreben zu dürfen. Dies ist heute keine Selbstverständlichkeit.
Themengebiete unserer Öffentlichkeitsarbeit sind Partnerschaft und Sexualität, Homosexualität, Transsexualität, Pädophilie, sexuelle Sucht, Jugendsexualität, sexueller Missbrauch, u.a.m.
Auch wenn Positionen im öffentlichen Diskurs in Abgrenzung zu anderen Positionen vorgetragen werden, so wollen wir damit Menschen, die uns entgegengesetzte Meinungen vertreten, in keiner Weise diskriminieren. Wir halten in allen Diskussionen am Grundsatz der Toleranz und der pluralen Meinungsbildung fest, wie sie in einer demokratischen Gesellschaft gelten. Toleranz meint demnach, dass in einem Staat zwei unterschiedliche Meinungen nebeneinander bestehen können, ohne dass die eine oder andere Seite dabei ihre Meinung aufgeben muss. Diskurs meint, dass im Zuge der öffentlichen Meinungsbildung kontrovers diskutiert werden darf und dabei die Kraft der Argumente und nicht der Druck von Lobbygruppen den Ausschlag gibt.