Sehr geehrter Herr Weicker, geehrter Vorstand und Mitglieder von HuK,
im Oktober des vergangenen Jahres hatte ein Gespräch mit einer Ihrer Arbeitsgruppen (Evangelikale und wir) stattgefunden. Wir waren zum damaligen Zeitpunkt davon ausgegangen, diskursfähige und dialogwillige Menschen anzutreffen. In der Tat gab es einzelne Gesprächsteilnehmer, die für einen klaren, würdigenden Austausch offen schienen. Schon wenige Wochen später, bis hin zu Ihrer neuen Webseite über das damalige Gespräch und über wuestenstrom e.V., ist aber deutlich geworden, dass HuK nicht bereit ist, wirklich in einen Dialog zu treten. Von unserer Seite gab es keine Voraussetzungen für den Dialog mit der HuK, außer der Unterlassung von öffentlichen Verleumdungen, die aber insbesondere von Walter Conzelmann unter anderem im Austausch mit einer Journalistin von der ZEIT fortgesetzt wurden. Gleichzeitig wird deutlich, dass HuK nicht den Dialog, sondern die Vereinnahmung gesucht hat. Das ist unser Fazit aus der Zeit nach unserem damaligen Gespräch.
Um das zu begründen, gehen wir auf Ihre neueste Darstellung ein, die uns überdeutlich zeigt, in welchem eingeschränkten und einschränkenden Rahmen HuK denkt und vorgeht.
Unser Gespräch im Oktober 2006
Wäre Reinhold Weicker beim Gespräch dabei gewesen, hätte er vielleicht versucht, die Lage differenzierter darzustellen. Tatsächlich wurde beim Gespräch vereinbart, dass – dem positiven Gesprächsverlauf angemessen – der Bericht (an der Unterscheidung von einem „Protokoll“ sind wir im Übrigen nicht so interessiert, wie die Vertreter von HuK) von Andreas Schneidewind zur Ergänzung an wuestenstrom weitergegeben werde, bevor er auf der HuK-Webseite veröffentlicht würde. Unsere Ergänzung, die in der Tat stattfand, wurde aber erst mit einer Vielzahl merkwürdiger Argumente als nicht mehr rechtzeitig zu berücksichtigen und schließlich als wuestenstrom-Meinung zurückgewiesen. Wir hatten an einer Stelle im Bericht ein Missverständnis festgestellt und unsere Position, die wir im Gespräch dargelegt hatten, noch einmal verdeutlicht. Da nun aber von den HuK-Vertretern ganz plötzlich darauf Wert gelegt wurde, zwischen Bericht und Protokoll zu unterscheiden und dass ihr Text unbedingt in der von ihnen gewünschten Form veröffentlicht werden müsse, haben wir zugestimmt, dass unsere Ergänzung nur im Anhang stehen soll. Das Ganze war den HuK-Vertretern plötzlich so wichtig, dass wir zwei Mahnungen erhielten, auf unserer Webseite ausschließlich die Fassung des Berichts zu zitieren, die von HuK autorisiert wurde.
Thema Gesprächsbereitschaft
Nach den derzeitigen Entwicklungen sind wir sehr froh, unsere Teilnahme an der Frühjahrstagung der HuK abgesagt zu haben. Offenbar ist die HuK leider doch nicht wirklich bereit zum Dialog, sondern sucht die Vereinnahmung oder die Spaltung. Wir bedauern, das so deutlich feststellen zu müssen.
Wir wollen einen Dialog, in dem unterschiedliche Standpunkte gelten. Wir vertreten dabei unzweifelhaft, dass Sexualität plastisch ist und wir erleben diesbezüglich, dass sexuelle Orientierungen, wie die Homosexualität(en) sich hin auf Heterosexualität verändern können. Gleichzeitig achten wir die Entscheidung jedes Einzelnen, seinen Lebensentwurf zu wählen, wie es den pluralistischen Prinzipien unserer Gesellschaft entspricht. Das Gespräch im Oktober 2006 hatte für uns das Ziel, die Position der HuK zu verstehen, ihre Anfragen zu hören, umgedreht, wollten wir aber auch mit unserem Anliegen gehört und verstanden werden.
Die HuK, wie sich im Nachgang des Treffens vom Oktober 2006 und vor allem im Umgang mit dem Bericht über das Treffen, zeigt, will vereinnahmen. Es besteht das Ziel, dass wuestenstrom die Meinung der HuK zu vertreten hat, nach dem der „homosexuelle Mensch“ nichts anderes als eine Schöpfungsvariante ist, der durch affirmative Therapie im Ausleben seiner homosexuellen Gefühle unterstützt werden muss. Formulierungen im Bericht von 2006 legen diese Vermutung nahe und die Diskursbeiträge der HuK zeigen deutlich, dass wuestenstrom erst dann als glaubwürdig angesehen wird, wenn wir alle Verbindungen zu Personen oder Annahmen kappen, die irgendetwas in Richtung von Veränderungsmöglichkeiten von Homosexualität sagen.
So werden auch in Ihrer neuesten Darstellung symptomatisch Vorwürfe formuliert unter Ausblendung maßgeblicher Vorgänge: in dem Gespräch im Oktober 2006 war vereinbart worden, dass wir bei Unstimmigkeiten oder kritischen Rückfragen das Gespräch miteinander suchen und Walter Conzelmann versprach, seine alten Vorwürfe künftig zu unterlassen, weil er nun eine völlig andere Sicht von Markus Hoffmann habe. Nur wenige Wochen später hat Walter Conzelmann in einem HuK-internen Bericht Markus jedoch erneut verunglimpft mit an den Haaren herbeigezogenen Behauptungen und in derselben Zeit sich auch bei der Presse (Karin Kontny von der ZEIT) kritisch über wuestenstrom und Markus Hoffmann geäußert, was dann auch in den ZEIT-Artikel eingeflossen ist. Daraufhin gab es einen Email-Wechsel zwischen Conzelmann und Stefan Schmidt. Die Frage an Walter Conzelmann, aber in Kopie der Email auch an andere Vertreter von HuK, war, ob damit die Ergebnisse des begonnenen Gesprächs hinfällig seien und wir davon auszugehen hätten, dass die HuK doch nicht zu einem wirklichen Dialog bereit ist. Hierauf gab es bis heute keine Antwort. In mehreren Emails hat Walter Conzelmann (der als einziger reagiert hat) sich gerechtfertigt, ohne auf die Frage einzugehen. So ist in Wirklichkeit der Dialog durch die HuK vereitelt worden. Die Anfragen zu einem erneuten Gespräch beinhalteten kein Angebot zu einem Dialog, sondern zielten eindeutig darauf ab, von uns einzufordern, uns gegen den Psychologen Joseph Nicolosi zu stellen. So stelle ich klar: die HuK wollte offenbar zu keinem Zeitpunkt einen wirklichen Dialog; so gehen wir auch nicht einem wirklichen Gespräch aus dem Weg, sondern höchstens Manipulationsversuchen. HuK sucht nicht den offenen Dialog, sondern gibt einen Diskurs nach eigenen Spielregeln vor. Wer diesen Regeln entspricht, darf weiter mitreden; wer dagegen einen eigenen Standpunkt vertritt, wird für unwürdig erklärt, sich am Diskurs zu beteiligen.
Thema Seriosität
In welcher Hinsicht sollte ein Gespräch mit der Arbeitsgruppe HuK eine Seriositätsbescheinigung für unsere Beratungsarbeit sein? Das ist lächerlich. Richtig ist, dass wir unser Gespräch im Oktober 2006 und die bekundete Offenheit der teilnehmenden HuK-Mitglieder ernst genommen und somit Frau Kontny von der ZEIT dies als Beispiel dafür genannt haben, dass wir den Dialog auch mit unterschiedlichen Interessengruppen suchen.
Thema „Umpolung“
Wie wir immer wieder, nicht zuletzt in unserem Gespräch im vergangenen Jahr mit ihrem Arbeitskreis „Evangelikale und wir“ betont haben, war und ist es zu keinem Zeitpunkt Ziel von wuestenstrom, „Homosexuelle dazu zu bringen, ihre Homosexualität (im Sinne von Umpolung) abzulegen“. Wir distanzieren uns deshalb vom Begriff Umpolung, da er verschiedene falsche Annahmen über Sexualität und sexuelle Orientierungen impliziert und für eine Haltung moralischen Drucks steht. Zudem knüpft dieser Begriff an die unrühmliche Geschichte von Eisbädern, Lobotomie, Elektroschocks und Aversionstherapien etc. an, die homosexuell empfindende Menschen in der Vergangenheit über sich ergehen lassen mussten. Im damaligen Gespräch versicherte Walter Conzelmann gar explizit, solche „früheren Äußerungen“ und ihre Implikationen fortan nicht mehr zu wiederholen. Auf der neuen Homepage wird nun dreierlei behauptet:
1. wuestenstrom hätte solche Ziele (gehabt)!
2. Menschen „dazu zu bringen, ihre Homosexualität abzulegen“ (was auch immer das bedeuten soll), werde gemeinhin als Umpolung bezeichnet!
3. damit sei es das Ziel von wuestenstrom gewesen, Umpolung zu betreiben!
Alle drei Behauptungen sind an sich und erst recht in der Verknüpfung undifferenziert und schlichtweg falsch. Wuestenstrom möchte vielmehr Menschen dabei helfen, deren eigene Ziele zu erreichen und verfolgt keine eigenen Ziele, mit denen Menschen unter Druck gesetzt würden. Offenbar bewegen sich HuK oder Reinold Weicker gern im Bereich von Verdächtigungen. Auf unsere Differenzierung, die wir im Gespräch explizit diskutiert haben, scheint leider kein Vertreter von HuK Wert zu legen.
Thema Freundschaftsnetzwerk
Das Freundschaftsnetzwerk ist ganz offiziell ein Angebot von wuestenstrom e.V. Wir haben in unserem Rundbrief des Öfteren darauf verwiesen. Dass Herr Weicker auf der Homepage nun entdeckt habe, dass das Freundschaftsnetzwerk eine Selbsthilfebewegung ist, die von wuestenstrom initiiert und begleitet wird, ist daher lächerlich. Um den Vorwurf und das Weltbild der HuK zu unterstützen, wuestenstrom unterwandere die „schwule Welt“ etc. mag diese Entdeckung helfen.
Es ist richtig, dass wir innerhalb des Freundschaftsnetzwerkes Menschen einen Schutzraum anbieten möchten, um sich den Fragen ihrer Identität und ihrer homosexuellen Empfindungen stellen zu können. Dafür unterstützen sich die Männer und Frauen in diesem Netzwerk gegenseitig. Warum aber wird uns das vorgehalten? Es ist bekannt, dass viele Menschen mit einem eindeutigen Veränderungswunsch zu uns kommen. Diesen neben der Einzelbegleitung auch ein Selbsthilfenetz anzubieten, ist für uns kein Widerspruch zur ergebnisoffenen Beratung. Auch hier zeigt uns der Vorwurf, dass wir ein solches Netzwerk unterstützen, dass es HuK in Wahrheit nie darum ging, mit wuestenstrom in einen offenen Austausch zu treten, sondern vielmehr uns auf ihre Seite zu bringen, indem Unterschiede ausgemerzt werden sollen. Sollte es sein, dass wir zuviel Differenzierungsfähigkeit vorausgesetzt haben?
Thema Ergebnisoffenheit
Wenn man, wie Reinhold Weicker immer wieder demonstriert, offenbar nur in der Lage ist, in Kategorien von schwarz und weiß zu unterscheiden, ist es möglicherweise nur als Spagat zwischen zwei widersprüchlichen Zielen zu verstehen, was von Markus Hoffmann zitiert wird. Jeder, der Menschen im Bereich von Beratung, Seelsorge oder Therapie begleitet, bringt seine eigene Persönlichkeit mit eigenen Werthaltungen in diese Beziehung ein. Die Professionalität misst sich daran, dass der Berater durch Supervision und Selbsterfahrung sich selbst und dem Ratsuchenden Auskunft über diese Werthaltung geben und dieses gleichzeitig deutlich von den Werthaltungen und Zielen des Ratsuchenden unterscheiden kann. Da HuK selbst aber nur eine politisch arbeitende Arbeitsgruppe ist, weiß sie nichts über solche Kategorien. Deshalb wird auch nicht fachlich kritisch nachgefragt, ob wir diesen ethischen Standard zum Beispiel durch Supervision, einhalten, sondern schlicht in Schwarz-Weiß-Stereotypien eines „wenn, dann…“ argumentiert. Damit landen wir beim üblichen Kurzschluss: wer Veränderung für möglich hält, kann nicht ergebnisoffen beraten. Wir empfehlen Herrn Weicker und der HuK die Auseinandersetzung mit der einschlägigen Fachliteratur, die Veränderung beschreibt und für natürlich hält, nicht aber die Unterscheidung in per se homosexuelle und heterosexuelle Menschen, deren so festgeschriebene Identität sich folglich wissenschaftlicher Diskussionen und Fragestellungen entziehe.
Thema Dr. Joseph Nicolosi
Klarstellung: wuestenstrom kennt Dr. Nicolosi nicht persönlich, sondern nur von seinen Vorträgen und Publikationen her, und steht nicht mit ihm in Korrespondenz. Allerdings kennen wir seinen Therapieansatz, der mit Therapieansätzen vieler Therapeuten und Psychiater vergleichbar ist. Wir haben keinen Grund, uns von Nicolosi abzugrenzen. Wie im damaligen Gespräch scheint es aber das Ziel von HuK, uns gegen das Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft und gegen Joseph Nicolosi einzunehmen, uns also für die eigenen politischen Ziele zu instrumentalisieren. Offenbar halten die Vertreter von HUK die Differenzierung nicht aus, dass wir einerseits gesprächsbereit sind, uns andererseits aber einen eigenen Standpunkt erlauben und uns nicht instrumentalisieren lassen. Insofern ist die geführte Beweisführung zu unserer Verbindung mit Joseph Nicolosi nicht nur Punkt für Punkt, sondern auch insgesamt lächerlich. In der Tat wären wir erfreut gewesen, in dem erwähnten Tagungsbericht über Nicolosi nicht nur als Selbsthilfegruppe Erwähnung zu finden, da die Selbsthilfe nur einen kleinen Teil unserer Arbeit ausmacht. Vielmehr liegt unser Schwerpunkt in der Konzeptentwicklung von Hilfsansätzen und in der professionellen Einzel- und Gruppenberatung. Im Übrigen hat die christliche Selbsthilfebewegung Living Waters/Desert Stream mit dem Psychologen Joseph Nicolosi nichts zu tun. Das wird einfach mal so behauptet. Im selben Stil wird ein Zusammenhang des Ausdrucks „ich-dyston“ mit der psychoanalytischen Literatur vermutet und das Abstimmungslexikon Wikipedia bemüht. Ziel scheint zu sein, uns Unlauterkeit zu unterstellen und kurzerhand verschiedene Organisationen zu diskreditieren. Tatsächlich bietet wuestenstrom das an, was auf unserer Webseite zu lesen ist und was wir in unserem Gespräch ausgedrückt haben. Eine Beweisführung, dass wir das Anliegen von Menschen, die sich eine Veränderung ihrer sexuellen Empfindungen wünschen, ernst nehmen, ist überflüssig.
Thema Ich-Stabilisierung
Ausdrücklich bezieht sich Markus Hoffmann auf Menschen, die er kennt und bei welchen er dieses beobachtet hat. Ähnliche Äußerungen kann man bei zahlreichen Therapeuten finden (zum Beispiel bei einem der bedeutendsten Psychoanalytiker Deutschlands, Stavros Mentzos, der explizit über die ihm in seiner Praxis begegneten homosexuell Lebenden sagt, dass sie offenbar ihre Sexualität dazu benutzten, um damit ihre Persönlichkeit zu stabilisieren).
Thema „ichdystone Sexualorientierung“
Es wird nicht deutlich, wo für Reinhold Weicker der Zusammenhang der „Theorien von der ich-dystonen Sexualität“ und den Ausdrücken „Ich-Stabilisierung“ und „emotionales Niveau“ liegt. Vielleicht ist es ihm auch nicht klarer. Wir verwenden den Ausdruck der ich-dystonen Sexualität jedenfalls gemeinhin nicht. Wenn, dann verwenden wir den Begriff „ichdystone Sexualorientierungen“, wie er im ICD-10 F66.1 verankert ist. (Dass darunter dann auch Menschen fallen, die ihre Homosexualität als „ichdyston“ empfinden, mag die HUK stören, ist aber eine unabänderliche Tatsache.) Was uns mit der „Beweisführung“ bewiesen werden soll, bleibt schwammig. Wir haben nie verheimlicht, dass es Veränderung und Hilfe zur Veränderung im Bereich sexueller Orientierung nach unserem Dafürhalten gibt und stehen mit dieser Sichtweise nicht allein da. Auch gegenüber der HUK haben wir nie etwas anderes behauptet. Wir müssen uns nicht hinter neuen Ausdrücken verstecken, da wir mit offenen Karten spielen. Auch ist völlig unklar, inwiefern die These, Menschen sei ihr Problem eingeredet worden, der Beobachtung der Ich-stabilisierenden Funktion der Sexualität widersprechen solle. Hier zieht Herr Weicker wahllos Aussagen zusammen, mehr um einen gewissen Eindruck zu erwecken, als tatsächlich zu argumentieren. Tatsächlich ist es ja auch so, dass Forschungsberichte inzwischen zur Auffassung kommen, dass Menschen die Normalität ihrer Homosexualität einseitig eingeredet wird, ohne auf die Forschungslage Bezug zu nehmen, die belegt, dass Sexualität plastisch ist und Veränderungen unterliegt (vgl. K. K. Kinnish et al., Geschlechtsspezifische Differenzen der Flexibilität der sexuellen Orientierung - Eine mehrdimensionale retrospektive Studie, In: Zeitschrift für Sexualforschung, Heft 1 2004).
Thema Kontrolle der Sexualität
Hier wird erneut die mangelnde Differenzierungsfähigkeit oder –bereitschaft von HuK deutlich. Wir vergleichen Homosexuelle nicht mit Alkoholabhängigen! Durchaus gibt es aber Ansätze, weniger therapeutischer denn seelsorgerlicher und selbsthilfeorientierter Natur, als Hilfsmöglichkeit auf Verhaltenskontrolle zu bauen, ähnlich wie dies in Suchtbehandlungen der Fall ist. Dies ist nicht der Ansatz von wuestenstrom, was aus dem Leserbrief von Markus Hoffmann in idea Spektrum (Ausgabe 35/2007, erschienen am 29.8.2007) zu entnehmen ist und was er so auch im Gespräch im Oktober 2006 dargelegt hat. Da aber die Gestaltung der Sexualität generell in die Verantwortung jedes einzelnen Menschen gestellt und somit immer auch eigenen bewussten und unbewussten Entscheidungen unterworfen ist, sehen wir in solchen Ansätzen der Kontrolle vom Grundsatz der Freiheit der Entscheidung des Einzelnen her auch nichts zu Verurteilendes. Problematisch wird es dann, wenn bestimmte neurotische Muster in der Psychodynamik eines Menschen dadurch gestützt werden und der Mensch in der Möglichkeit seiner Handlungen und Entwicklungen eingeschränkt wird.
Thema Beratung bei wuestenstrom
Der mutmaßende Stil von Herrn Weicker, der zu weiteren Folgerungen führt, erscheint uns für HuK leider symptomatisch. Kurzerhand wird von einer nicht beratend oder therapeutisch tätigen Arbeitsgruppe unterstellt, dass Menschen, die unsere Beratung aufsuchen, nicht gefestigt seien und aus einem Umfeld kämen, das ihre (homosexuellen) Gefühle unterdrückt. Damit nimmt Herr Weicker eine Diagnose vor und verortet Menschen, die zu uns kommen, im Bereich der Homophobie. Was aber ist die Grundlage für solche Mutmaßungen. Wir maßen uns nicht an, Diagnosen oder Mutmaßungen über die Mitglieder von HuK anzustellen. Richtig ist Ihre These, dass Ratsuchende bei wuestenstrom nicht Menschen begegnen, die ihnen die Verbindung von homosexuellem Lebensentwurf und Christsein vorleben. Bei wuestenstrom lernen Menschen andere Menschen kennen, die ihnen keinen Lebensstil bezüglich ihrer Sexualität vorleben, sondern mit ihnen in einen offenen Beziehungs-Dialog treten. Ziel ist es, dass Menschen erspüren können, was sie warum fühlen und (er-) leben oder was sie sich durch ihre Sexualität an nichtsexuellen Motiven zu erfüllen suchen oder auch nicht. Durch diese Reflexion sollen sie zu eigenständigen, verantwortbaren Entscheidungen für ihr Leben und ihre Beziehungen gelangen, im Einklang mit ihren Gefühlen genauso, wie mit ihren Wertvorstellungen. Nicht wuestenstrom verlangt oder forciert eine bestimmte Lebensweise, sondern Organisationen wie HuK und ähnlich arbeitende Gruppierungen. All diese sind auch keine Beratungsangebote, sondern Interessengruppen, die sich mit Betroffenheitsrhetorik vor der wissenschaftlichen Auseinandersetzung genauso drücken, wie vor den tatsächlichen Fragen von Betroffenen.
Für wuestenstrom e.V. steht damit fest, dass derzeit kein ernsthafter Dialog mit den Vertretern von HUK möglich ist. Wir bedauern dabei besonders, dass gerade die Personen, die am deutlichsten an einem offenen Austausch interessiert schienen, nicht mehr zu besagtem Arbeitskreis gehören, bzw. sich aus der derzeitigen Entwicklung heraushalten.
Für den wuestenstrom e.V.
Markus Hoffmann und Stefan Schmidt