Aufgrund zahlreicher unwahrer Tatsachenbehauptungen, die auch in der jüngsten Zeit wieder über unseren Verein veröffentlicht wurden und werden, und als Reaktion auf zahlreiche Presseanfragen halten wir es für angebracht, einmal ausführlich zu begründen, warum wir derzeit gegenüber den Medien nur zu schriftlich eingereichten Interviews bereit sind. Gleichzeitig versuchen wir dabei zu verstehen, warum viele Journalisten all unsere differenzierten Darstellungen und Entgegnungen letztlich nur als Rechtfertigung einer an sich homophoben Zielrichtung verstehen können und wollen. Damit wollen wir auch dem Bedürfnis unserer Ratsuchenden nachkommen, die durch die Feindseligkeit mancher Veröffentlichung sehr verunsichert sind und gleichzeitig in die Zusammenarbeit mit uns sehr große Hoffnungen setzen. Diesen sind wir eine deutliche Auseinandersetzung schuldig.
Wuestenstrom e.V. ist eine Organisation, die auf dem spannenden Gebiet von Identitätsfragen und Sexualität seit rund zehn Jahren in den sehr unterschiedlichen Arbeitsfeldern Beratung, Seelsorge, Konzeptentwicklung und Fortbildung Hilfsangebote macht. Die Presse hat sich in dieser zehnjährigen Geschichte häufig für unsere Arbeit interessiert. Insbesondere das Zeugnis der persönlich erlebten Veränderung im Bereich der homosexuellen Orientierung wurde dabei regelmäßig Thema und zum Stein des Anstoßes. Hierzu gehört auch der jüngste Vorfall mit dem Ergebnis, dass der öffentliche Druck von Lobbygruppen zusammen mit der Presse unsere Teilnahme am Kongress „Religiosität und Psychotherapie“ in Graz in Österreich unmöglich gemacht hat1.
Auch nach diesem Vorfall treten wieder Journalisten von unterschiedlichen Zeitungen und Fernsehsendungen an uns heran und versprechen, großes Interesse und Aufgeschlossenheit gegenüber unserer Arbeit zu haben. Sie geben vor, ganz unvoreingenommen über unterschiedliche Ansätze des Erlebens oder auch der Begleitung von Menschen mit homosexuellen Empfindungen berichten zu wollen. Sind wir nicht zu einem Interview oder ausschließlich zur schriftlichen Beantwortung von Interviewfragen bereit, wird häufig ausschließlich auf (diffamierendes) Archivmaterial oder auf die Aussagen von militanten Gegnern unserer Arbeit zurückgegriffen. Wenn wir zu einem Interview bereit sind, beschreiben wir differenziert unsere sehr unterschiedlichen Arbeitsfelder, erklären unser Vorgehen in der Beratung von Menschen mit homosexuellen Empfindungen (die für die Presse offenbar besonders interessant scheinen), erzählen die Geschichte unseres Vereins, grenzen uns von Umpolungs-, Konversions- und solchen Angeboten ab, die magische „Heilungen“ versprechen usw. Regelmäßig verweisen wir auf unsere ausführliche Selbstverpflichtung, die wir als Ethik formuliert haben, und die von unterschiedlichen Fachpersonen (Therapeuten und Therapieforschern) als vorbildlich bezeichnet wird. Auch erklären wir gern, wie wir die Ethik und Professionalität unseres Beratungsangebots (z.B. die Ergebnisoffenheit) unter anderem durch fachliche Supervision gewährleisten. All diese Informationen befinden sich auch zum Nachlesen auf unserer Webseite.2 Wir haben schließlich nichts zu verbergen.
Die Berichte, die dann von solchen Journalisten schließlich veröffentlicht wurden, enthielten aber grundsätzlich keine dieser Informationen oder Differenzierungen. Versehen mit vielen Unterstellungen und Falschinformationen, die insbesondere die Person Markus Hoffmann diskreditieren sollten, wurde kurzerhand wahlweise von „Sekte“ oder „evangelikal-fundamentalistischer“ Organisation gesprochen, betrieb wuestenstrom „Umpolung“ oder „Konversionstherapie“ (meist mit dem Hinweis auf „bekanntermaßen“ grausame Methoden) und versprachen wir gegen immense Geldsummen „Heilung“ von der „Krankheit“ oder der „Sünde“ Homosexualität. Unsere Darstellungen wurden dabei ignoriert oder als Unwahrheiten eingestuft. Letztlich wurde auf diese Weise eine Organisation – egal, was sie sonst anbietet oder sagt – allein deshalb als „menschenverachtend“ dargestellt, weil sie Anfragen an das Phänomen Homosexualität hat und Veränderungen in diesem Bereich sexueller Orientierung schildert. Offenbar erschien es den Journalisten als überflüssig oder unangemessen, eine solche Organisation in ihrer Würde und in den Persönlichkeitsrechten ihrer Mitarbeiter und den betreuten Ratsuchenden zu schützen oder auch nur ihre Aussagen korrekt wiederzugeben.
Wie können wir uns ein solches Phänomen erklären? Sicherlich gibt es unterschiedliche Ansätze, so etwas zu verstehen. Natürlich verkaufen sich in der Öffentlichkeit Skandale (von Diskriminierungen und sektiererischen Vereinigungen, die Menschen in ihre Fänge bekommen) besser, als allzu differenzierte Informationen. Und sicherlich haben auch diejenigen nicht Unrecht, die auf den mittlerweile großen Einfluss „homosexueller Lobby-Gruppen“ hinweisen. Schließlich sind es gerade solche Interessengruppen, die auf unterschiedlichen Ebenen von Medien, Politik, Kirche und anderen gesellschaftlichen Gruppen massiv gegen unseren Verein vorgehen.
Unwissenschaftliche Grundannahme eines „homosexuellen Wesens“
Wenn wir wissenssoziologisch die unterschiedlichen Diskurse betrachten, die auf dem Diskursfeld zum Thema Homosexualität geführt werden, nehmen wir aber noch eine ganz andere, letztlich philosophische Dimension wahr. Wir beobachten, dass in weiten Teilen der öffentlichen Diskussion und damit auch von den Medien in der Regel eine Grundentscheidung vorausgesetzt wird. Diese Grundentscheidung, die im sozialwissenschaftlichen Diskurs essentialistisch genannt wird, geht von der Existenz eines per se „homosexuellen Menschen“ aus. Ein solcher Mensch habe eine angeborene „homosexuelle Natur“ oder ein „homosexuelles Wesen“, wie andere ein heterosexuelles Wesen hätten. (Im christlichen Kontext wird auf derselben Grundlage manchmal von einer angeblichen Schöpfungsvariante gesprochen.) Diese philosophisch anthropologische Formulierung einer speziellen Natur oder eines speziellen Wesens nun wird zur Grundlage des ethischen, gesellschaftlichen, politischen Umgangs mit dem Phänomen Homosexualität.
Diese Sichtweise hat sich im öffentlichen Diskurs weithin durchgesetzt, sodass die Medien auf der einen, aber durchaus auch unterschiedliche Wissenschaftler auf der anderen Seite von diesem Essentialismus der Festschreibung einer „homosexuellen Identität“ ausgehen. Wer diese angeborene Identität zum Beispiel durch die Beobachtung von Veränderbarkeit hinterfragt, müsse nach dieser Logik fundamentalistisch religiöse und homophobe Motive haben und diskriminiere automatisch Menschen, die diese „spezielle Natur“ ausgeprägt hätten.
Unsere Beobachtungen in der Beratung
In unserem eigenen Erleben, aber auch in der Begleitung vieler Menschen und dabei dem Kennenlernen von Lebensgeschichten von rund 3000 homosexuell empfindenden Menschen, konnten wir eine solche „homosexuelle Identität“ oder „Wesenheit“ nicht feststellen. In unseren Beobachtungen wurde vielmehr immer wieder ein „Gewordensein“ solcher Empfindungen deutlich und darüber hinaus auch, dass die homosexuellen Gefühle eine Funktion in der Persönlichkeit dieser Menschen hatten. Es wurde deutlich, dass diese Gefühle nicht einfach „vom Himmel gefallen“, sondern eng mit Fragen der Kerngeschlechtlichkeit, nach positivem Gestimmtsein in Bezug auf seinen eigenen Geschlechtskörper (core gender identity), vertrauter Bezogenheit zur Gruppe des eigenen Geschlechts (gender identity) oder Vertrauen in die eigene Wertigkeit und Vollständigkeit im Geschlechtsempfinden (potency) verknüpft waren. Unsere Beobachtung nun war, dass ein Lösen solcher Fragen im Kontext von Beratung und Therapie die Möglichkeit bot, dass sich auch die sexuelle Orientierung dieser Menschen verändern konnte. Und auch diese Veränderbarkeit, die wir erlebt haben, sprach gegen eine unveränderbare angeborene „homosexuelle Identität“.
Mittlerweile kennen wir unterschiedliche Beschreibungen von Therapieverläufen in der Fachliteratur, die ebenso die Veränderung der sexuellen Orientierung in der Therapie darlegen (als ein aktuelleres Beispiel: K. K. Kinnish et al., Geschlechtsspezifische Differenzen der Flexibilität der sexuellen Orientierung – Eine mehrdimensionale retrospektive Studie, In: Zeitschrift für Sexualforschung, Heft 1 2004). Auch die Beobachtung der Funktion der homosexuellen Anziehung in der Persönlichkeit - zum Beispiel zur Ich-Stabilisierung - wird in der Fachliteratur (z.B. Stavros Mentzos, Neurotische Konfliktverarbeitung) oder im persönlichen Gespräch mit Therapeuten unterschiedlicher Schulen immer wieder beschrieben. Dabei ist selbstverständlich, dass weder diese Therapeuten noch wir von einer „Krankheit“ Homosexualität sprechen. Wir können, wie diese, nur beschreiben, was wir an uns selbst oder an den Menschen, die Beratung aufsuchen, beobachten und sprechen so auch nicht für jeden Menschen mit homosexuellen Gefühlen oder gar über die „Homosexualität“ an sich. So setzen wir in der Beratung auch nicht am sexuellen Erleben an, das wir dann verändern wollten. Vielmehr bieten wir Menschen, die ihre (homo-) sexuellen Phantasien und Handlungen zur Ich-Stabilisierung verwenden, Hilfen an zur Veränderung ihres Beziehungs- und Selbsterlebens, mit dem Ziel, dass die sexuelle Inszenierung zur Ich-Stabilisierung überflüssig werden könnte.
Die Sexualwissenschaften
Die deutlichste Unterstützung unserer Beobachtungen haben wir im Bereich der Sexualwissenschaften gefunden. Die konstruktionistisch orientierten Wissenschaftler beschreiben jede Form der Sexualität als etwas Gewordenes, hoch Flexibles und Veränderbares, als etwas, das Motiven folgt und der zwischenmenschlichen Aushandlung unterliegt. Alle sozialwissenschaftlichen Sexualforscher Deutschlands (z.B. Gunter Schmidt, Volkmar Sigusch, Erwin Haeberle, Rolf Gindorf) bestreiten das Vorhandensein einer per se „homosexuellen Natur“ in diesen Menschen. Ähnlich wie der Herausgeber des renommierten „Journal of Homosexuality“ in den USA, John P. De Cecco, beschreiben zum Beispiel Rolf Gindorf oder auch Erwin Haeberle die Geschichte der „homosexuellen Identität“ als politische Propaganda einer sich radikalisierenden „Schwulen-Lobby“, die jenseits wissenschaftlicher Empirie den Beweis der „Natürlichkeit“ ihrer sexuellen Orientierung zur Grundlage ihres „Befreiungskampfes“ hin zur vollständigen Anerkennung macht. Diese Sexualwissenschaftler kritisieren denn auch das nachhaltige Desinteresse vieler Wissenschaftler am Forschungsgegenstand „Homosexualität“3. So werde der aktuelle Diskurs denn auch jenseits wissenschaftlicher Redlichkeit geführt und zum Beispiel die angeborene sexuelle Identität selbst im Bereich von Psychologie und Psychiatrie einfach - im Sinne des Essentialismus - vorausgesetzt. Selbst der Rückgriff auf Beobachtungen im Tierreich wird nicht gescheut, um in scheinbar direkter Entsprechung die „Natürlichkeit“ und damit „Normalität“ und damit „Gleichwertigkeit“ einer „homosexuellen Identität“ nachzuweisen (vgl. Berichte über „schwule Schwäne“, „schwule Schafe“, „schwule Pinguine“ und ähnliches). Die Forscher sehen dabei voraus, dass diese biologistisch naturwissenschaftlich orientierte Argumentation, die ihre Grundannahme des sexuellen Wesenskerns niemals wird belegen können, Diskriminierung gerade nicht wirklich beenden kann. Die Homosexuellen-Lobby habe es zwar geschafft, dass aus politischen Gründen Homosexualität von der Liste der psychischen Krankheiten gestrichen worden sei und dass heute „die Homosexuellen“ (die es für die Sexualwissenschaften eigentlich als Kategorie nicht gibt) als eine Gruppe wahrgenommen würde, die ähnlich wie andere Minderheiten einen besonderen Schutz und besonderer Geldtöpfe öffentlicher Stellen bedürfe. „Seit „schwul“ eine politische Kategorie ist, tendieren Forschung und Lehre dazu, larmoyant, defensiv oder polemisch zu sein. Wie Frauen und ethnische Gruppen werden „schwule Menschen“ der Vergangenheit als kulturelle Minderheiten mit eigenen kulturellen Eigenheiten und Traditionen behandelt. Als universelle Gruppe mit einer ungebrochenen Geschichte betrachtet, werden sie dann entweder als kultureller Gipfel ihrer Epoche oder als Opfer erbarmungsloser Intoleranz beschrieben. (...) Universitätsverwaltungen und Regierungskomissionen sind jetzt, nachdem sie sich in den 70er und 80er Jahren mit Feministinnen und politischen Ansprüchen von Volksgruppen herumgeschlagen haben, gut darin trainiert, wie den Forderungen neuer Gruppen von Essentialisten zu begegnen ist: Gib jeder Gruppe den Minimalbetrag an Geld, Zeit und Raum, der notwendig ist, die Stimmen ihrer lärmenden Repräsentanten verstummen zu lassen.“ (John P. De Cecco, Homosexualität als Essentialismus oder Konstruktionismus, in: R. Gindorf, E.J. Haeberle (Hg.), Sexualwissenschaft und Sexualpolitik, Berlin 1992.) Damit hätten sie aber gleichzeitig erreicht, dass sich die Mehrheit der Gesellschaft umso deutlicher von dieser speziellen Gruppierung unterscheiden kann. Wie bei den andern Minderheiten könne man das öffentliche Engagement für die „Homosexuellen“ nun instrumentalisieren und sein Gewissen oder seine Wähler beruhigen, ohne sich jemals wirklich (wissenschaftlich redlich) mit den Menschen als solchen auseinander zu setzen.
Explizit gegen die Formulierung einer angeborenen gegebenen sexuellen Identität haben im Übrigen auch schon Kinsey in den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts und seit Ende der 60er (z.B. Mary Macintosh) zahlreiche Wissenschaftler argumentiert. Sie haben auf ihrer Seite Argumente wie das Fehlen der Nachweisbarkeit angeborener sexueller Orientierung und die völlig unwissenschaftlich entstandene und aufrechterhaltene Kategorie einer speziellen Menschengruppe, die als „Homosexuelle“ zu bezeichnen seien. Diese gebe es dem Wort nach, aber auch als unterscheidbare Gruppe von Individuen erst seit Ende des 19. Jahrhunderts. Auch die rechtlich „schwierige“ Kategorie einer sexuellen Identität machen sie bewusst: heute kann sich jeder, der daraus Gewinn schlagen kann, per Selbstzuschreibung einer homosexuellen Identität zu einer diskriminierten Minderheit zählen und Sonderrechte für sich einfordern. Es ist darauf hinzuweisen, dass die Sexualwissenschaftler eine willentliche Veränderung von sexueller Orientierung nicht vorschlagen. Sie beschreiben zwar, dass es (natürliche) und auch willentliche Veränderung und Flexibilität der Sexualität gibt, verpflichten sich aber der Ethik, dass sie als Forscher einer deskriptiven Wissenschaft keine normativen Aussagen über gesunde und nicht gesunde Sexualität treffen können. Somit schlagen sie allein die Aushandlungsmoral4 oder Konsensmoral5 vor, wonach jegliche Sexualität als gesund zu betrachten sei, die zwischen erwachsenen Menschen einmütig vereinbart werde. Diese Haltung bleibt denn aber auch nicht ohne Schwierigkeiten und speziellen Auslegungsspielraum: einer unserer Ratsuchenden, der mit Gunter Schmidt telefonierte und ihm sagte, er wolle mit unserer Unterstützung seine sexuelle Orientierung verändern, erntete von ihm Verständnis und gute Wünsche. Gleichzeitig muss er sich wehren und rechtfertigen, wenn er Post von Homosexuellen-Interessengruppen (hier von Günter Baum von der Gruppe zwischenraum6) bekommt, die ihn fragen: ist es in ihrem Sinne, wenn „Ex-Gay-Organisationen“ ihre Thesen zur Rechtfertigung von „Umpolung“ machen. Selbstverständlich bezeichnet er dies als „grotesk“, da seine Ethik eine bewusste Veränderung von Sexualität nicht hergibt, insofern er von seiner Wissenschaft her nicht zwischen „guter“ und „schlechter“ Sexualität unterscheiden mag. Dies ist durchaus konsequent. Gleichzeitig zeigt diese scheinbare Freiheit von Ethik aber auch die Vereinnahmungsmöglichkeit durch Interessengruppen. Wir behaupten an keiner Stelle, dass Gunter Schmidt letztlich „Umpolung“ unterstützt, wie hier suggeriert wird, sondern beziehen uns lediglich auf seine Veröffentlichungen. Zwischenraum aber instrumentalisiert hier den Wissenschaftler so, als würde er ihr „homosexuell sein“ unterstützen und als würde er letztlich ein Gegner unserer Arbeit sein, die er gar nicht kennt.
Wohl gemerkt sind hier die Forschungen und Ansichten zahlreicher Schlüsselexperten auf dem Gebiet menschlicher Sexualität und sexueller Orientierung angedeutet. Wenn nun aber wir als wuestenstrom diese Erkenntnisse zitieren und damit aufzeigen, dass nicht nur wir von Flexibilität von Sexualität sprechen, wird uns vorgeworfen, wir könnten keine Studien lesen oder wählten die Forscher oder Zitate eklektisch aus. Mit Bedauern stellen wir dabei fest, dass sich gerade die Presse nicht um Differenzierungen kümmert. Wer Fragen an das Phänomen „Homosexualität“ stellt, wer beobachtet und beschreibt, was sich in der Psyche eines homosexuell empfindenden Menschen abspielt und gar von einer Veränderbarkeit sexueller Orientierung spricht, hat es scheinbar nicht verdient, im Diskurs ernst genommen zu werden. In der derzeitigen gesellschaftlichen Atmosphäre sind unsere Beobachtungen unter den Generalverdacht von „Diskriminierung“, „Menschenrechtsverletzung“ und „Gehirnwäsche“ gestellt. Offenbar muss um jeden Preis die formulierte und festgestellte angeborene sexuelle Orientierung unhinterfragbar bleiben.
Kritik durch so genannte Fachpersonen
Was wird uns denn aber vorgeworfen? Besonders häufig wurde und wird uns unterstellt, wir arbeiteten ethisch nicht korrekt. Ungeachtet unserer Selbstverpflichtung, allen differenzierten Darstellungen unserer supervisorisch begleiteten Beratung und unserer Gesprächsbereitschaft gegenüber jedem Kritiker, wird mit Begriffen wie „Umpolung“, „Konversion“ und „Heilung“ operiert, um uns im selben Atemzug vorwerfen zu können, dass wir in der Begleitung von Menschen direkt auf die sexuelle Orientierung Einfluss nehmen wollen, indem wir den Menschen Schuld und Sünde einredeten oder gar Methoden der Psychotherapie vom Anfang des 20. Jahrhunderts verwendeten (Lobotomie, Eisbäder, Aversionstherapie...).
Dafür findet die Presse auch regelmäßig „Fachpersonen“ aus dem psychologischen Bereich, die diese Dinge, die wir nicht tun, verurteilen. Sei es eine Freiburger Psychologin Wolf - die sich selbst als lesbisch bezeichnet, sich als Psychologin gern als Fachfrau auf dem Gebiet der Sexualität darstellen lässt und ohne jede Differenzierung suggeriert, wuestenstrom und unsere Angebote zu kennen und uns aus fachlicher Sicht verurteilen zu können, - die im Radio als Expertin über uns sprechen darf7. Sei es ein „Mannheimer Verhaltenstherapeut“ Christof Wagner (der eine Praxis in Karlsruhe unterhält), der in seinem Bezugsrahmen für den Spiegel unsere angebliche „Konversionstherapie“ mit ihren schlimmen Methoden verurteilt8 (er ist Vorstandsmitglied vom Verband lesbischer Psychologinnen und schwuler Psychologen VLSP). Sei es eine sich selbst als lesbisch bezeichnende Diabetes-Beraterin (Valeria Hinck) von der christlichen Gruppe zwischenraum, die wahlweise versucht, es mit der gesamten Geschichte christlicher Hermeneutik aufzunehmen (vgl. ihr Buch „Streitfall Liebe“) oder jedem, der es lesen will, unter Selbstrechtfertigungszwang zu beweisen versucht, dass nur sie selbst wissenschaftliche Studien korrekt lesen und wiedergeben kann9. Sei es ein homosexuell empfindender Psychologe bei der Berliner Aids-Hilfe (Arnd Bächler), der aussagen kann, dass Menschen, die unsere Beratung besuchen, dadurch Selbsthass empfänden10.
All diese „Fachpersonen“ kennen wuestenstrom und unsere Arbeitsweise nicht. Sie versuchen daher, sich auf Begriffe wie Umpolung oder Konversion, oder aber auf amerikanische Selbsthilfegruppen zu beziehen. Ihre Ausgangslage ist dabei auch nie die Auseinandersetzung mit menschlicher Sexualität oder sexueller Orientierung. Sie gehen vom homosexuellen Menschen als Gattung aus. (Besonders deutlich zum Beispiel bei Valeria Hinck und ihrem Buch „Streitfall Liebe“ zu sehen. Sie möchte ein theologisch/biblisch/christlich relevantes Buch schreiben über Homosexalität, verzichtet dabei aber auf einen nachvollziehbaren hermeneutischen Schlüssel, leitet ihre Schlussfolgerungen von einer Ethik ab, über die sie keine Rechenschaft gibt und geht von einer Anthropologie des „homosexuellen Menschen“ aus, ohne dies darzulegen, oder zu zeigen, wovon sie ihre Meinung ableitet.) Wer diese „homosexuellen Menschen“ „nur“ als Menschen, nicht aber als Gruppe mit einer angeblich angeborenen „sexuellen Natur“ würdigt und unterstützt, wird in diesem Kontext automatisch unter „Homophobie-Verdacht“ gestellt. Und schnell sind solche Psychologen, die häufig höchstens von der Möglichkeit einer affirmativen (sexuelle Orientierung bestätigenden) Therapie gehört haben, zum Vorwurf bereit, unsere Angebote trieben Menschen in den Selbstmord. Klar: wenn jede sexuelle Orientierung „gleich natürlich“ und damit per se „gut“ ist, kann nur die (homophobe) Gesellschaft (besonders Kirche, christlicher Glaube oder islamische Religion) und können offene Beratungsangebote wie das unsere die offenbar einzig vorstellbaren Gründe dafür sein, dass Menschen unter ihren homosexuellen Gefühlen leiden. So einfach können es sich Menschen, die sich als Fachleute ausgeben, mit der Beurteilung von Sachverhalten oder Organisationen machen. Zu beachten ist, dass zum Beispiel Frau Wolf und Herr Wagner im Verband lesbischer Psychologinnen und schwuler Psychologen aktiv sind, der eindeutig politische Ziele verfolgt darunter die Förderung der affirmativen (sexuelle Orientierung bestätigenden) Therapie. Dies offenbart natürlich auch das Vorgehen der recherchierenden Journalisten: es wird die Meinung eines Interessenvertreters eingeholt, die dann kurzerhand zur fachlichen Analyse eines Psychologen verkürzt wird, ohne zu berücksichtigen oder zur erwähnen, auf der Basis welcher Ethik diese Psychologen ihre Aussagen treffen. Die Journalisten scheinen Gefallen daran zu finden, diese Psychologen als „wertfreie“ Wissenschaftler darzustellen, um der Öffentlichkeit die unhinterfragbare Richtigkeit ihrer Aussagen zu suggerieren. Das ist aber unrichtig und wird offenbar ausschließlich eingesetzt, um politische Ziele zu erreichen.
Daher unsere Frage: Handelt nicht vielmehr der Psychologe oder Mediziner, der sich allein aufgrund seines Fach-Studiums als „Fachmann“ auf dem Gebiet sexueller Orientierung ausgibt, bereits unethisch? Und handelt nicht derjenige unethisch, der Menschen in ihrem Veränderungswunsch nicht ernst nimmt, sondern eine Veränderungsmöglichkeit entgegen dem wissenschaftlichen Stand ausschließt oder vehement ausschließen will? (Viele haben uns schon beschrieben, wie sie von Ärzten und Psychologen angeschrieen oder ausgelacht wurden, als sie vorbrachten, ihre sexuellen Empfindungen nicht leben zu können oder zu wollen! Wir haben hier Kenntnis von zahlreichen Vorfällen.) Und ist es nicht zumindest unredlich, eine Organisation, deren Mitarbeiter und deren zahlreiche Ratsuchende in der Öffentlichkeit fortlaufend zu diskreditieren und zu verleumden? Wohl gemerkt geht es nicht um Anfragen oder Kritik in konkreten Fällen. Solcher Kritik dürfen wir uns nicht entziehen. Unsere Arbeit wird aber vom Grundsatz her abgelehnt und jedem Verdachtsmoment unterzogen, den Menschen sich herbeiphantasieren könnten, weil es uns schlicht nicht geben soll. Und in dieser öffentlichen Stimmung sind sich manche Wissenschaftler offenbar zu nichts zu schade. Und auch die Journalisten arbeiten unredlich, wenn sie uns unsere mangelnde Fachlichkeit oder unser unethisches Arbeiten dadurch nachzuweisen versuchen, dass sie politische Interessenvertreter als Fachleute gegen uns auftreten lassen (ohne auf diese Verknüpfung hinzuweisen!)
Wer uns ethisch unsauberes Arbeiten unterstellen möchte, muss sich die Mühe machen, sich mit unserem Beratungsansatz vertraut zu machen. Wir diskutieren diesen fortlaufend mit Therapeuten und Therapieforschern und bringen unsere Beratungsfälle regelmäßig in Fachsupervisionen ein. Dabei sind wir kritik- und lernfähig, hinterfragbar und korrigierbar. Wir halten uns an unsere Selbstverpflichtung. Dazu gehört, dass Menschen ergebnisoffen beraten werden. Die persönliche Ethik der einzelnen Mitarbeiter wird in Selbsterfahrung und Supervision expliziert und dadurch von den Wertentscheidungen der Ratsuchenden deutlich unterschieden. Dies ist gängige Praxis in jeder redlich durchgeführten Beratung oder Therapie (nicht jedoch leider bei den „Fachleuten“, die ihre Ethik vom Vorhandensein einer angeborenen homosexuellen Identität ableiten und Menschen mit Veränderungswunsch diskriminieren). Somit ist der Kurzschluss, dass der christliche Hintergrund unserer Mitarbeiter und persönliche ethische Entscheidungen in deren Lebensentwürfen automatisch zur Unterdrückung und Diskriminierung von homosexuellen Gefühlen bei Ratsuchenden führen müssen, offenbar auf mangelndes Fachwissen, manchmal vielleicht auch schlicht auf Vorurteile, zurückzuführen.
3 Motive: Eigeninteresse, Essentialismus, politischer Druck
Zu fragen ist: Was nur kann die Motivation dieser Menschen sein? Sicher: die meisten von ihnen bezeichnen sich selbst als „Homosexuelle“ und haben deshalb verständlicherweise auch deutlich mehr politische als wissenschaftliche Ziele.
Und sicherlich ist die oben genannte Grundentscheidung, dass es den homosexuell geborenen Menschen gäbe, die Basis von Bewertungen, die unsere Fragen und unsere Angebote als diskriminierend erscheinen lassen. Auf derselben Grundlage werden derzeit im Übrigen offenbar auch die Ergebnisse einer vom deutschen Lesben- und Schwulenverband in Auftrag gegebene Studie11 bewertet. Danach hätten viele, insbesondere männliche Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren (nahezu 50% mit deutschen Eltern und nahezu 80% mit Migrationshintergrund) es als abstoßend bezeichnet, wenn zwei Männer sich in der Öffentlichkeit küssten. Diese Gefühlsäußerung von jungen Menschen wird nun – dem vorausgesetzten Vorverständnis gemäß – direkt als Diskriminierung, Homophobie und als ersten Schritt zur Gewalt gegen „Schwule und Lesben“ gewertet. Und selbstverständlich wird gefordert, dass die Aufklärungsarbeit, insbesondere auch bei der Integration von Ausländern noch deutlich intensiviert werden müsse. Solche Gefühle von Jugendlichen „dürfen nicht sein“.
Vielleicht ist aber heute auch der gesellschaftliche Druck auf Einzelpersonen und Organisationen tatsächlich so groß, dass es Vielen nützlicher oder gar als einzige Möglichkeit erscheint, dem politisch massiv auftretenden Teil der „Gruppe der Homosexuellen“ möglichst viele Zugeständnisse zu machen. Wer möchte schon, wie jüngst eine Bürgermeisterin, die zum Christopher-Street-Day keine Regenbogenfahne im Rathaus aufhängen wollte, unter massiven Druck und Rücktrittsforderungen geraten12?
Antidiskriminierung, wo es keine Diskriminierung gibt
Vielleicht müssen wir neben diesen drei beobachtbaren Motiven aber auch noch gesamtgesellschaftlich eine ganz andere Perspektive hinzufügen, um das Phänomen zu verstehen. Dies erscheint notwendig, da auch dort polarisierend und emotionalisierend über das Thema Homosexualität gesprochen oder geschrieben wird, wo wir nicht von einem direkten Einwirken von Homosexuellen-Gruppen ausgehen können. Auch bleibt bis dahin sonst die Frage offen, warum so gern und so leichtfertig auf den Essentialismus als Grundentscheidung zurückgegriffen wird und so viele auf wissenschaftlich kritisches Nachfragen verzichten, wenn von der angeborenen Homosexualität die Rede ist. Die zusätzliche Perspektive, die sich uns hier aufdrängt, ist eine Form von Antidiskriminierung, die zum „guten Ton“ geworden ist. Wer in der (medialen) Öffentlichkeit – zum Beispiel auch als Wissenschaftler – gut dastehen will, setzt sich gegen Diskriminierung ein. Das ist grundsätzlich auch gut und entspricht unserem Grundgesetz, wonach Benachteiligungen aufgrund gewisser Merkmale untersagt sind. Spannend ist jedoch, dass auch die Diskriminierung oder Antidiskriminierung instrumentalisiert werden kann und instrumentalisiert wird. Ergebnis dieser modernen Antidiskriminierung ist es, dass auch und vor allem dort gegen Diskriminierung vorgegangen wird, wo es gar keine Diskriminierung gibt. In der Debatte um die Journalistin Eva Herrmann, die mit Vorwürfen hinsichtlich rechtsradikalen Gedankenguts aus der Talkshow von Johannes B. Kerner geworfen wurde, äußerte sich in ähnlicher Weise der jüdische Journalist Henrik M. Broder:
„Es ist ein Antifaschismus, der sich von seinem eigentlichen Gegenstand längst verabschiedet hat und dort am besten gedeiht, wo es keinen Faschismus gibt: in einem virtuellen Raum des wohlfeilen Widerstands.“ (Henrik M. Broder, Der programmierte Eklat, Spiegel-Online 10.10.2007, http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,510511,00.html)
Genau das beobachten wir in Bezug auf unsere Arbeit – nur nicht als Antifaschismus, sondern abgewandelt als Antidiskriminierung. Weil es einzelne Menschen gibt, die behaupten, durch unser Angebot diskriminiert zu werden, gibt es auch Journalisten und einzelne Wissenschaftler, die den „wohlfeilen Widerstand“ gerade da proben, wo es keine Diskriminierung gibt. Zwei absurde, aber umso alarmierendere Beispiele machen das deutlich:
Ein Student in Chemnitz (Hartmut Rus), der sich selbst als schwul bezeichnet (und mittlerweile für den LSVD in Sachsen zuständig ist), bombardiert über Monate studentische und politische Gremien mit unterschiedlichen Dokumenten. Sein Vorwurf: ein christliches Missionswerk (Campus für Christus) bekomme von der Technischen Universität einen Raum zur Verfügung gestellt und werde dadurch unterstützt, obwohl dieses Missionswerk auf einer CD für Erstsemestler unter vielen Informationen auch das Angebot von wuestenstrom (zu Fragen von Identität und Sexualität) empfohlen hatte. Die Gremien hören ihn und seinen Unterstützer (den Liedermacher Tom Haus, Ansprechpartner von Homosexuelle und Kirche in Chemnitz) an, sind aber schnell von deren Radikalität und Unsachlichkeit erschrocken und unterstützen deren Ziele nicht wie gewünscht. Dieser Student kommt nun auf die Idee, wuestenstrom zu schaden, indem er den Berufsverband der Psychologen (BdP) anschreibt und davon schreibt, dass wuestenstrom durch „christliche Beratung“ „Homosexuelle“ zu „Heterosexuellen“ umwandeln oder umerziehen wolle. Er beschreibt es weiterhin als Skandal, dass dem besagten Missionswerk auch Psychologie-Studenten angehörten, die damit also indirekt die Heilung von Homosexualität propagierten. Der Hauptgeschäftsführer des BdP, der Diplom-Psychologe Armin Traute antwortet auf dieses Schreiben denn auch13. Er gibt zwar zu, sowohl zur Organisation wuestenstrom als auch zu Beratern, die nicht Mitglieder seines Berufsverbandes seien, nicht wirklich Auskunft geben zu können. Trotzdem versucht er, alle Materialien, die ihm passend erscheinen, aufzulisten, um den scheinbar der Diskriminierung ausgesetzten Studenten nicht zu enttäuschen. Die Zitate, die er verwendet, sind dann nicht falsch, aber einseitig. Hauptargument, mit dem er die Fragwürdigkeit unserer Arbeit zu belegen versucht, ist die Berufsethik der Psychologen im Berufsverband, die für uns als Nicht-Psychologen gar nicht verbindlich ist. Tatsächlich ist diese Ethik aber wiederum so unspezifisch, dass wir sie, wie sicherlich jeder halbwegs ethisch sauber arbeitende Berater, völlig selbstverständlich einhalten und durch unsere eigene Ethik an professionellem Standard letztlich sogar übertreffen (gerade weil wir auf einem Gebiet beraten, das kritisch beobachtet wird). Herr Traute stellt sein Material aber so zusammen, dass für den Leser, wie auch für den eifrigen Chemnitzer Studenten der Eindruck entsteht, dass wir als wuestenstrom unmöglich ethisch sauber arbeiten könnten. Herr Traute und der BdP waren dann von diesem fachlich eher peinlichen Antwortschreiben letztlich aber so begeistert, dass es in der Zeitschrift des Berufsverbandes in Auszügen veröffentlicht wurde. So entstand kurzerhand ein weiteres Urteil einer scheinbar fachlichen Organisation über wuestenstrom und unseren Ansatz – ohne unwahre Behauptungen, aber eindeutig tendenziös. – Vielleicht müssen wir uns Herrn Traute tatsächlich vorstellen als einen Menschen, der gegen Diskriminierung vorgehen möchte.
Derselbe Student hat sich mittlerweile im Übrigen auch mit einem Theologen in Verbindung gesetzt, der (offensichtlich dem Arbeitskreis Homosexuelle und Kirche nahestehend) bereit war, sich negativ über uns zu äußern14. Auch hier wieder ein Armutszeugnis für den wissenschaftlichen Diskurs: Jürgen Heumann, immerhin Professor für Religionspädagogik und Dekan an der Carl-von-Ossietzky-Universität in Oldenburg, stellt in wenigen Sätzen eine scheinbare Gefahr durch das Missionswerk Campus für Christus fest. Die Gründe? Diese studentische Initiative werbe um Studenten (wie jede andere Organsition an Universitäten); außerdem sei sie nicht zweifelsfrei mit dem Grundgesetz vereinbar, weil sie "Vorschläge zur Umerziehung/Umpolung homosexuell orientierter Menschen der Gruppe Wüstenstrom" toleriere bzw. unterstütze (!). Der Theologe, der unsere Arbeit nicht kennt, bezeichnet unser Tun als Umerziehung und Umpolung, bezieht sich dann - als Theologe - auf anonyme medizinische, psychologische und kulturwissenschafltiche Forschung (?) und schließt aus all dem, dass eine studentische Gruppe wie Campus für Christus deshalb der grundgesetzlichen Forderung nach der Achtung der Würde des Menschen widerspreche, weil sie - indem sie wuestenstrom positiv erwähnet - "derartige Ansichten" (vermutlich Umpolung?) verbreite, ihnen nicht offensiv entgegentrete oder sie unter ihrem Label stillschweigend akzeptiere. Diese peinliche Ansammlung von Falschinformationen und unwissenschaftlichen Interpretationen, die nichts weiter als die politische Meinung des Herrn Heumann transportiert, wird von besagtem Studenten im Übrigen als Gutachten aufgefasst. Was die Motivation des Herrn Heumann gewesen sein könnte, wissen wir nicht. Hat er eigene Interessen? Geht es ihm um den Kampf gegen Diskriminierung? Wissenschaftlich jedenfalls ist das, was der Mann schreibt, nicht!
Unser Fazit
Wenn Sie sich als Journalist an uns wenden, dann bitten wir Sie um Sorgfalt bei der Recherche und der Berichterstattung. Dazu gehört für uns, dass Sie sich entweder so gut informieren, dass Sie ein Thema nicht als Meinung sondern in einer Komplexität darstellen können, die einem so hitzig diskutierten Phänomen angemessen ist, oder dass sie wenigstens sich selbst und Ihren Adressaten Rechenschaft darüber geben können, auf welchem Menschenbild und auf welchen ethischen Ableitungen von diesem Menschenbild ihre Meinung beruht (vgl. die angedeutete Debatte von Essentialismus und Konstruktionismus). In diesem Zusammenhang sind wir natürlich froh, dass nach dem Scheitern unserer finanziell geringen rechtlichen Möglichkeiten, der Deutsche Presserat den Bericht von Frau Karin Kontny in der ZEIT („Heilung in Gottes Namen“, Nr. 04, 18.01.2007) als unsorgfältig und ehrverletzend missbilligt hat15. Da wir aber im Vorfeld eines Berichtes diese Sorgfalt nicht überprüfen können (Frau Kontny hat uns zum Beispiel in verschiedener Hinsicht gar bewusst getäuscht), werden wir Presse-Anfragen nur in schriftlicher Form beantworten. Uns ist bewusst, dass wir vermutlich dennoch viele Falschdarstellungen mit dem Hinweis auf das „Recht auf freie Meinungsäußerung“ werden hinnehmen müssen. Wo es unser Rechtsberater für aussichtsreich hält, werden wir im Rahmen unserer Möglichkeit aber immer wieder auch die juristischen Möglichkeiten ausschöpfen. Auf jeden Fall wollen wir der Öffentlichkeit immer wieder auch deutlich machen, auf der Grundlage welcher Informationen Journalisten ihre Texte verfassen.
Und schließlich bitten wir Sie, den Vorwurf der Diskriminierung nicht zu instrumentalisieren und sich auch nicht von Menschen und Lobbygruppen in dieser Hinsicht instrumentalisieren zu lassen. Diskriminierungen sind zu verurteilen und es wichtig, dort entschieden und mutig gegen diese vorzugehen, wo sie wirklich stattfinden. Wir als Organisation unterstützen keine Form der Diskriminierung und wehren uns entschieden gegen solche Vorwürfe. Die Tatsache, dass wir Veränderungen im Bereich sexueller Orientierung beschreiben und Menschen begleiten, die sich eine solche Veränderung ersehnen, hat mit Diskriminierung nichts zu tun. Auch an diesem Punkt bitten wir um Redlichkeit der Darstellung.
Endnoten:
1 s. z.B. den zusammenfassenden Bericht im Nachrichtenmagazin idea vom 22.10.2007, "Wenn Homosexuelle sich ändern wollen", http://www.idea.de/index.php?id=355&tx_ttnews[tt_news]=58495&tx_ttnews[backPid]=18&cHash=1ed085552d
2 Hier unsere Ethik in Zusammenfassung und als pdf-Dokument zum herunterladen http://wuestenstrom.demo.all-dynamics.de/index.dhtml/49472714e913f53300li/-/deDE/-/CS/-/Wirberuns/Ethik
3 So zum Beispiel der Herausgeber des renommierten Journal of Homosexuality: John P. De Cecco, Homosexualität als Essentialismus oder Konstruktionismus, in: R. Gindorf, E.J. Haeberle (Hg.), Sexualwissenschaft und Sexualpolitik, Berlin 1992
4 Gunter Schmidt, z.B in: Das neue Der Die Das – Über die Modernisierung des Sexuellen, Gießen 2005
5 Volkmar Sigusch, z.B. in: Kultureller Wandel der Sexualität, in: Volkmar Sigusch (Hg.), Sexuelle Störungen und ihre Behandlung, Stuttgart 2001
6 „Grotesk“ – Ex-Gay-Literatur und die Wissenschaftler, auf die sie sich beruft, http://www.zwischenraum.net/grotesk.htm
7 Michaela Baetz, Umpolung von Homosexualität, Radio Z Nürnberg, 18.09.2007, http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=18824
8 Christian Stöcker, Dämonen auf dem Psychiaterkongress, http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,505764,00.html
9 vgl. ihre Texte unter http://zwischenraum.net/themenframe.htm, z.B. Rubrik „Heilung“
10 Zitat in Karin Kontny, Heilung in Gottes Namen, Die ZEIT, 18.01.2007, http://wuestenstrom.demo.all-dynamics.de/index.dhtml/17472711d0253453295q/-/deDE/-/CS/-/news/news/2007/200701/ZEIToriginal
11 pdf-Dokument: Zusammenfassung der wichtigsten Studienergebnisse von Professor Dr. Bernd Simon, Christian-Albrechts-Universität Kiel, auf http://typo3.lsvd.de
12 „Wanjura setzt Schwule und Lesben mit NPD gleich“, Erklärung von Alexander Zinn, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin Brandenburg (LSVD) e.V., http://www.berlin.lsvd.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=289&Itemid=80
13 pdf-Dokument: Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen, Christliche Sexualberatung durch Wüstenstrom e.V., Therapie v. Homosexualität, http://gaynial.net, Rubrik „Wir klären auf“
14 gutachten_heumann.pdf, http://gaynial.net
15 Der Original-Artikel, den gesamten Vorgang und die abschließende Missbilligung durch den Deutschen Presserat befinden sich zum Nachlesen auf unserer Webseite www.wuestenstrom.de in der Rubrik Aktuelle Themen - Politik